Dienstag, 27. September 2022

"Das tiefschwarze Herz" von Robert Galbraith


 


  • Cormoran Strike 6
  • blanvalet Verlag
  • Gebundenes Buch
  • Deutsche Erstausgabe
  • Seitenzahl: 1349
  • Erscheinungstermin: 7. September 2022
  • ISBN-13: 9783764508173
  • 26,00 Euro


Klappentext:
Als Edie Ledwell, verwirrt und völlig außer sich, in Robin Ellacotts Büro erscheint und mit ihr sprechen möchte, weiß die Privatermittlerin zunächst nichts mit deren Problem anzufangen. Die Co-Entwicklerin der Kult-Animationsserie Das tiefschwarze Herz wird von einem mysteriösen Fan mit dem Pseudonym Anomie terrorisiert. Edie ist verzweifelt und will endlich herausfinden, wer dahintersteckt.
Robin glaubt nicht, dass die Detektei Edie dabei helfen kann und schickt sie weg. Erst als sie ein paar Tage später in der Zeitung die schockierende Nachricht liest, dass Edie ermordet auf dem Highgate Cemetery aufgefunden wurde, dem Schauplatz von Das tiefschwarze Herz, wird sie hellhörig und nimmt sich des Falls an.
Robin und ihr Geschäftspartner Cormoran Strike versuchen Anomies wahre Identität zu enthüllen. Mit einem komplexen Netz aus Online-Pseudonymen, Geschäftsinteressen und Familienkonflikten konfrontiert, finden sich Strike und Robin in einer Ermittlung wieder, die sie auf ungeahnte Weise herausfordert und einer unvermuteten Bedrohung aussetzt ...
(Quelle: blanvalet Verlag)


Inhalt:
Edie Ledwell, Co-Entwicklerin der sehr erfolgreichen Animationsserie "Das tiefschwarze Herz" wird massiv angefeindet.
Die Anfeindungen spielen sich im Internet ab und Ledwell wendet sich völlig verzweifelt mit einem Stapel ausgedruckter Tweets an die Privatermittlerin Robin Ellacott. Robin lehnt den Fall ab, denn die Detektei ist nicht auf Cyberkriminalität spezialisiert, die Ermittler sind noch nicht einmal besonders in der Nutzung sozialer Medien bewandert.
Kurz drauf wird die Detektei wieder im Namen Edie Ledwells kontaktiert, dieses mal ist es aber Edies Agent der den Kontakt sucht. Edie wurde ermordet.
Robin Ellacott und ihr Partner Cormoran Strike ahnen das sich der Täter im Internet finden lässt und müssen sich durch Tausende von Tweets und Kommentaren arbeiten.
Doch die heiße Spur lässt auf sich warten und deswegen beschließt Robin sich selbst ins Internet zu begeben und den Täter in seiner eigenen Spähre zu jagen ....


Fazit:
Robert Galbraith ist das Pseudonym von J. K. Rowling und die erste Parallele die ich zu den Harry Potter Büchern fand waren die vielen Seiten. 
"Das tiefschwarze Herz" spielt sich auf 1349 Seiten ab, ich wusste zwar vorher um diese vielen Seiten, war aber später dennoch etwas über den Umfang des Buches erschüttert ;)
Leider flogen die vielen Seiten aber nicht in gewohnter Rowling-Manier nur so dahin, sondern gelegentlich gestaltete sich die Story etwas zäh. So wurden auf vielen aufeinanderfolgenden Seiten immer wieder Cormoran Strikes Beschwerden erwähnt. Nach dem dritten Mal hatte ich verstanden, dass es ihm nicht so gut geht und bestimmte Dinge problematisch oder schmerzhaft für ihn sind und brauchte also nicht noch unzählige Wiederholungen. Auch die Auseinandersetzung mit fast unzähligen Trollen wurde irgendwann einmal sehr zäh, auch weil ich ab einem bestimmten Punkt den Kontakt zu der gesichtslosen Masse der Trolle verlor und mir gar nicht mehr merken konnte, wer welche Kommentare geschrieben hat.
Leider ist es aber wichtig sich damit zu beschäftigen ....
Der Story hätte es wahrscheinlich gut getan nur halb so viele Trolle loszuschicken und auch nur halb so viele Seiten zu füllen.
Nichtsdestotrotz hat mich die Story angesprochen und die Ermittler Robin Ellacott und Cormoran Strike haben mir richtig richtig gut gefallen. Rowling hat einfach das Talent Figuren sehr plastisch darzustellen und ihnen damit eine große Portion Leben einzuhauchen.
Ich glaube für Neulinge der Reihe (so wie ich es einer war) ist dieser Band als Einstieg nicht so gut geeignet, da er wirklich ziemlich lang und bisweilen zäh war, aber als Fortsetzung der Reihe und Weiterführung der Geschichte um Strike und Ellacott hat "Das tiefschwarze Herz" einen guten Job erledigt.

"Stille blutet" von Ursula Poznanski






  • Mordgruppe 1
  • Knaur Verlag
  • Broschiertes Buch
  • Seitenzahl: 397
  • Erscheinungstermin: 1. September 2022
  • ISBN: 9783426226896
  • 16,99 Euro


Klappentext:
Wenige Worte machen die aufstrebende Wiener Nachrichtensprecherin Nadine Just über Nacht berühmt: Vor laufender Kamera kündigt sie ihre Ermordung an - zwei Stunden später ist sie tot! Ebenso ergeht es dem Blogger Gunther Marzik nach einer ganz ähnlich lautenden Ankündigung. Während die österreichische Medienwelt kopfsteht, trendet der Hashtag #inkürzetot, Nachahmer-Beiträge und Memes fluten das Netz. Wie soll die junge Ermittlerin Fina Plank im fünfköpfigen Team der Wiener »Mordgruppe« zwischen einer echten Spur, einem schlechten Scherz oder schlichtem Fake unterscheiden? Schließlich rückt Nadines Ex-Freund Tibor Glaser ins Zentrum von Finas Ermittlungen, ein aalglatter Werbefachmann und Weiberheld, der verzweifelt seine Unschuld beteuert.
Während sich die Schlinge um Tibors Hals langsam zuzieht, beobachtet von allen unbemerkt ein weiterer Spieler mit Interesse das Geschehen - und bereitet einen raffinierten Schachzug vor ...
(Quelle: Knaur Verlag)


Inhalt:
Nadine Just ist eine erfolgreiche Nachrichtensprecherin. Ihren Erfolg verdankt sie zwar nicht unbedingt ihren Talenten vor der Kamera, sondern vielmehr ihrer populistischen Art mit der sie sich viele  Fans aber auch Feinde geschaffen hat. Ein Verhältnis mit dem Chef des Senders hat ihrer Karriere wohl auch einen gewissen Schub versetzt...
Nadines Abendsendung beginnt eigentlich recht normal: Nadine ist zu spät, sie behandelt ihre Kollegen mit Verachtung und pünktlich zum Sendestart bemerken die Zuschauer nichts von der Stimmung die kurz vorher noch herrschte.
Allerdings verläuft die Sendung nicht normal, Nadine verliest vom Teleprompter die Nachricht ihres eigenen Todes. Während sie den Text abliest, der verkündet das sie bald sterben wird, sitzt ihr Ex-Freund Tibor Glaser vor dem Fernseher und verfolgt mit Entsetzen die Sendung.
Er und Nadine haben zwar kein gutes Verhältnis aber trotzdem fährt er direkt zum Sender um nach Nadine zu sehen.
Als er endlich in ihre Garderobe vordringen kann, liegt Nadine Just dort Tod im Badezimmer.
Tibor konnte sich kaum von seinem Schock erholen, da erfährt er schon von einer weiteren öffentlichen Todesankündigung.
Auf Gunther Marziks Blog steht in etwa der gleiche Text den Nadine verlesen hat und Tibor erkennt sofort den ernst der Lage.
Um Marzik zu warnen fährt er zu Marziks Wohnung und läuft dort der Polizei in die Arme.
Für die Polizei ist er jedoch schon Hauptverdächtiger im Mord an Nadine Just ...


Fazit:
Dies war mein erstes Buch von Ursula Poznanski und nachdem sie als eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Autorinnen gilt, war ich natürlich sehr gespannt auf "Stille blutet".
Poznanski hat in ihrem Krimi den zunehmenden Populismus und die Instrumentalisierung sozialer Netzwerke aufgenommen und meiner Ansicht nach das Thema gut umgesetzt.
De Gefahr die von Populismus und Manipulation durch Social Media ausgeht wurde nicht oberlehrerhaft transportiert, sondern die Geschichte spielte sich einfach auf natürliche Weise in dieser Kulisse ab und der Leser konnte die Wirkung von Hasskommentaren und Lügen als Beobachter auf sich wirken lassen.
Sehr gelungen empfand ich die Darstellung von Tibor Glaser. Dieser smarte Werbeagent erfüllte so ziemlich alle Klischees die man von jungen aufstrebenden Werbemanagern haben kann und nach und nach wird deutlich wieviel von diesen Bildern von außen an uns herangetragen und unhinterfragt aufgenommen werden.
Tibor wird sozusagen von drei Seiten "zerstört", von Nadine über Verleumdungen, da sie die Trennung nicht akzeptieren konnte, von der Polizei, die in ihm einen potentiellen Mörder sieht und vom unbekannten Täter, der Tibor in sein perfides Spiel einbezieht.
Die Frage die sich mir stellte, war, wieviel von dieser Zerstörung wäre ohne Social Media möglich gewesen?
Der Krimi berührte damit viele Punkte die brandaktuell sind und dringend auf gesellschaftlicher Ebene diskutiert werden müssten.
Aber auch abgesehen von dieser Kulisse hat mich der Thriller gefesselt. Ich kann zwar nicht behaupten das "Stille blutet" hochspannend war, aber die Interaktionen der Personen waren so interessant, dass ich immer wissen wollte wie es weitergeht.
Ich wollte wissen, wie Tibor einen Weg aus seiner Situation findet, ob er es schafft seinen Ruf wiederherzustellen, ich wollte wissen, was der Täter als nächstes plant und ich wollte unbedingt wissen ob Fina Plank ihrem fiesen Kollegen endlich so richtig die Meinung sagt. ;)
Ursula Poznanski hat einfach das Talent eine indirekte Spannung aufzubauen, die auch ohne blutige Massaker und reißerische Action funktioniert und diese (indirekte) Spannung wurde konstant aufrechterhalten.
Dadurch konnte ich das Buch teilweise kaum aus der Hand legen und als ich die letzte Seite umblätterte fühlte ich mich wirklich gut unterhalten.

"Stille blutet" ist der Auftakt einer neuen Reihe um die Ermittlerin Fina Plank und die Wiener Mordgruppe 1


Dienstag, 13. September 2022

"Silent Death - Du entkommst mir nicht" von Mark Griffin


 



  • Holly Wakefield Bd. 3
  • HarperCollins Verlag
  • Broschiertes Buch
  • Seitenzahl: 400
  • Erscheinungstermin: 21. Juli 2022
  • ISBN: 9783749903962
  • 12,00 Euro


Klappentext:
Die Profilerin Holly Wakefield und Detective Inspector Bishop arbeiten an einem neuen Fall. Eine Prostituierte wurde brutal erstochen und verstümmelt. Geht es um eine Rachetat im Rotlichtmilieu? Holly erkennt schnell, dass der Fall einen anderen Hintergrund hat. Der Täter hat eine Strichmännchenzeichnung neben der Leiche zurückgelassen. Sofort denkt Bishop an zwei ungelöste Fälle vor mehreren Jahren. Damals wurden zwei Männer ähnlich brutal ermordet und dazu noch kastriert. Bei den Leichen wurden ebenfalls Zeichnungen von Strichmännchen gefunden. Doch der Killer konnte nie gefasst werden. Holly ist sich sicher: Sie haben es mit demselben bestialischen Serienkiller zu tun.
(Quelle: HarperCollins Verlag)


Inhalt:
In Brighton wird Vee brutal ermordet und nahe der Leiche der Prostituierten, unter Strümpfen auf einer Kommode abgelegt, befindet sich eine Zeichnung mit einem Strichmännchen. DI Bishop wird mit der Klärung von Vees Ermordung betraut und er zieht die Profilerin Holly Wakefield hinzu. 
Noch bevor DI Bishoph den Tatort betritt weiß er, dass er den Täter kennt, dass es schon ähnliche Mordfälle in Verbindung mit Strichmännchen gab.
DI Bishops ehemaliger Chef drohte damals schier an diesen Morden zu verzweifeln.
Bishop und Wakefield kommen nur schleppend weiter und auch der Reporter Eddy Brooks, der angeblich über Informationen verfügt bringt sie nicht weiter.
Die beiden Ermittler wissen, wenn sie versagen, wird es eine weitere Leiche geben ….


Fazit:
Ich mag englische Krimis, ich mag diese unaufgeregte Art zu ermitteln, ich mag die verregnete Stimmung, ich mag die Traurigkeit der Ermittler.
All das habe ich hier gefunden und so glücklich und zufrieden diesen spannenden Thriller gelesen.
„Silent Death“ ist durchgehen spannend, aber nicht unbedingt actionreich. 
Holly Wakefield und Bishop ermitteln in ihrem Tempo und dieses ist nicht rasant, eher ruhig und gleichmäßig. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch, ganz im Gegenteil, ich fand es sehr erholsam einen Thriller zu lesen, der mich nicht von der ersten bis zur letzten Seite jagt, sondern den ich in aller Ruhe genießen kann.
„Silent Death“ ist mein erstes Buch rund um die Profilerin Holly Wakefield und sie hat mir als Person und auch in ihrer Rolle sehr gut gefallen. Hollys Leben war nicht immer einfach, sie wuchs im Heim auf und hat früh schon schmerzliche Verluste erleben müssen. Dadurch hat sie mit ein authentisches Gefühl für die Opfer. Mit dieser Berührbarkeit war sie für mich sofort greifbar,  nachvollziehbar und sehr sympathisch.

Die Vorgängerbände um Holly Wakefield sind "Dark Call" und "White Sleep", beide habe ich noch nicht gelesen, aber Wakefield und Bishop haben mich so begeistert, das ich dies unbedingt nachholen muss.