Sonntag, 10. Dezember 2017

Rezension " Blutzeuge " von Tess Gerritsen



  • Rizzoli & Isles 12
  • Limes Verlag
  • Hardcover
  • 411 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783809026389
  • 19,99 Euro

Klappentext:
Sie haben das Böse gesehen - und er lässt sie mit ihrem Blut zahlen.

In Boston wird die Leiche einer jungen Frau gefunden - in der offenen Handfläche liegen ihre Augäpfel. Die Verstümmelung geschah post mortem, wie bei der Obduktion eindeutig festgestellt wird. Doch die genaue Todesursache bleibt unklar. Kurze Zeit später taucht die Leiche eines Mannes auf - Pfeile ragen aus seinem Brustkorb, die ebenfalls erst nach seinem Tod dort platziert wurden. Beide wurden Opfer desselben Täters, ansonsten scheint es keine Verbindung zwischen ihnen zu geben. Detective Jane Rizzoli von der Bostoner Polizei steht vor einem Rätsel, bis eine Spur sie zu einem Jahrzehnte zurückliegenden Fall von Misshandlungen in einem katholischen Kinderhort führt ...
(Quelle: Limes Verlag)

Kurze Zusammenfassung:
Die Filmemacherin Cassandra Coyle wird ermordert und verstümmelt in ihrer Wohnung gefunden. Zu Mauras Erstaunen lässt sich keine eindeutige Todesursache feststellen und der Fall gibt Rätsel auf.
Kurz darauf wird Timothy McDougal ermordet, in seiner Brust stecken Pfeile, doch er ist nicht an den Verletzungen gestorben.
Auch hier kann Maura Isles keine eindeutige Todesursache feststellen.
Es scheint, als wären beide Opfer von dem selben Täter ermordet worden, doch lässt sich keine Verbindung zwischen den Beiden herstellen.
Um etwas Licht in die Umstände zu bringen muss Maura Kontakt zu Daniel Brophy aufnehmen. Über ein halbes Jahr haben sie sich nicht gesehen und Maura spürt, dass sie noch lange nicht über Daniel hinweg ist.
Trotzdem, sie braucht Daniels Hilfe. Gemeinsam finden sie ein Muster und dadurch wird die Verbindung zwischen den Toten deutlich.
Doch bevor Rizzoli und Isles handeln können, gibt es schon das nächste Opfer.
Der Täter scheint schnell alle Zeugen eines lang zurückliegenden Verbrechens beseitigen zu wollen.
Und nun mischt sich auch noch Amalthea Lank in das Geschehen ein. Im Sterben liegend schafft sie es noch immer Maura zu manipulieren. Amalthea schützt jemanden, der mit dem Fall zusammen hängt ....

Fazit:
Ein prima Krimi der meine Erwartungen an Rizzoli und Isles absolut erfüllt hat.
Ich habe die letzten 5-6 Bände nicht gelesen, da mich die gleichnamige Fernsehserie überhaupt nicht begeistert und mich leider auch der Buchreihe entfremdet hat.
Von daher war ich, was bestimmte Details betraf, nicht ganz im Bilde.
 Amalthea Lank hat mir nicht so viel gesagt und Daniel Brophy habe ich in den früheren Bänden auch nur am Rande mitbekommen.
Aber das hat gar nichts gemacht, ich konnte die Zusammenhänge gut begreifen und allen Fäden folgen.
Also kann man das Buch auch ganz gut als Einzelgänger lesen.
Die Fernsehserie habe ich auch gut aus dem Kopf bekommen und konnte so die ursprünglichen Personen, so wie sie im Buch beschrieben sind, gut genießen.
Ich finde es ja immer wieder erstaunlich, wie Tess Gerritsen gerade sehr abnorme Persönlichkeiten beschreiben kann. Man schaut dem Soziopathen förmlich in den Kopf und man begreift gut die Unterschiede zwischen einem recht normalen, sozial agierenden, Menschen und einem Soziopathen. 
Für Soziopathen hat Tess Gerritsen anscheinend ein Faible ;)
Der Thriller ist nicht ganz so blutig, wie ich die ersten Bände der Reihe in Erinnerung habe, und das macht gar nichts.
Das Buch war spannend, ich habe einige Zeit gebraucht um auf den Mörder zu kommen und das Lesen hat mir Spaß gemacht.
Insgesamt finde ich, ist es ein gelungener Rizzoli und Isles-Thriller

Samstag, 9. Dezember 2017

Rezension " Lubetkins Erbe oder Von einem, der nicht auszog " von Marina Lewycka



  • dtv Verlag
  • 445 Seiten
  • Taschenbuch
  • 2017
  • ISBN: 9783423261609
  • 16,99 Euro


Klappentext:
Nachbarn kommen und gehen. Mr. Sidebottom bleibt. Berthold Sidebottom, Anfang fünfzig, arbeitsloser Schauspieler, lebt mit seiner Mutter Lily in einer Sozialwohnung in London. Als Lily unerwartet stirbt, droht ihm die Kündigung. Was tun? Berthold bittet Lilys Bettnachbarin im Krankenhaus, vorübergehend bei ihm einzuziehen und die Rolle seiner Mutter zu spielen. Die alte Dame willigt erfreut ein - doch Inna ist Ukrainerin, spricht nur rudimentäres Englisch und verliert die komplexen Details des Wohnungskomplotts allzu leicht aus dem Blick.
(Quelle: dtv Verlag)

Kurze Zusammenfassung:
Berthold Sidebottom hat in seinem Leben nicht alles richtig gemacht und irgendwann musste er zurück zu seiner Mutter ziehen, zurück in eine kleine Sozialwohnung.
Doch so klein ist sie nicht, als nämlich Berties Mutter stirbt ist sie auf einmal zu groß. Zu groß um von einem allein stehenden Mann bewohnt zu werden, sagt jedenfalls das Wohnungsamt.
Bertholds Mutter ahnte vor ihrem Tode schon, dass es nicht einfach werden würde, die Wohnung zu behalten und Zeit ihres Lebens überbehütend, arrangiert sie auch, dass Bertie nach ihrem Tode noch immer behütet ist.
Kurzerhand entscheidet sie, das ihre Bettnachbarin Inna Alfandari die Rolle der Lily Lukashenko übernehmen soll.
Nachdem Berthold den ersten Besuch vom Wohnungsamt gerade so übersteht, sieht auch er, dass ihm nichts anderes übrig bleibt als Inna zu sich zu holen.
Was er sich genau unter dieser neuen "Familie" vorstellt weiß Berthold auch nicht so recht, aber ganz sicher hat er nicht mit Innas Eigendynamik und Kommunikationsfreudigkeit gerechnet.
Innerhalb kürzester Zeit lernt sie mehr Mieter und Nachbarn kennen als es Bertie in den letzten acht Jahren gelungen ist und Bertie hat alle Hände voll zu tun die reichlich gesäten Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Wären da nicht seine frisch entflammte Liebe zur Nachbarin Violet .... und das Wohnungsamt ...... und die Nachbarin Mrs. Cracey und und und ...

Fazit:
Köstlich!
Einfach köstlich!
"Lubetkins Erbe oder Von einem der nicht auszog" ist eine skurrile Geschichte voller skurriler Personen, von denen der eine Teil versucht sein Leben irgendwie in Ordnung zu bringen und zu halten und der andere Teil nichts anderes zu tun hat, als in das Leben der Anderen zu pfuschen.
Wenn beides aufeinander prallt dann passieren die urkomischsten Irrungen und die seltsamsten Tragödien, die die Protagonisten aber mit einem bisweilen schrägen Gleichmut tragen.
Mich hat das Buch super unterhalten und ganz oft zum Lachen gebracht und trotzdem hatte ich nicht das Gefühl hier nur "Klamauk" zu lesen.
In der Tragödie des Berthold Sidebottom steck auch reichlich Gesellschaftskritik, wie zum Beispiel, dass tatsächlich subventionierte Wohnungen ganz strengen Regeln unterliegen, und dass es bei der Einhaltung der Regeln niemanden interessiert ob der zu entwohnende Mieter irgendeine realistische Chance auf eine andere Wohnung hat.
Um Obdachlose wird sich erst gekümmert, wenn das Obdach fort ist denn vorher ist er ja nicht obdachlos, sondern Mieter der ausziehen soll.
Auch dem Thema Einsamkeit in großen Wohneinheiten nimmt sich Marina Lewycka an und dem, was aus dieser Einsamkeit entsteht und das es manchmal gar nicht viel braucht um die Isolation zu durchbrechen.
Aber das hört sich gerade so schwer an und schwer ist das Buch auf keinen Fall. Es ist in einer Leichtigkeit geschrieben, dass die Seiten nur so an einem vorbei fliegen und die Personen sind so einzigartig skizziert, dass es richtig Spaß macht sie in den verschiedenen Situationen wieder zu treffen.
Die Geschichte ist leicht, schräg, traurig, lustig, kunterbunt und sehr sehr unterhaltsam.

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Dienstag, 5. Dezember 2017

Rezension "Sonntags Tod " von Carla Berling



  • Heyne Verlag
  • Taschenbuch
  • 269 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783453419933
  • 9,99 Euro

Klappentext:
Lokalreporterin Ira Wittekind ist gerade erst in ihre westfälische Heimat zurückgekehrt, als eine schreckliche Nachricht sie erreicht: Ihre Schulfreundin Verena ist tot, ermordet von ihrem Mann Richard. Direkt nach dem Mord hat der angesehene Hotelier sich selbst das Leben genommen. Kurz darauf ist Ira Zeugin, als ein Toter in einer verwahrlosten Wohnung gefunden wird. Durch ein kleines Detail wird sie auf einen möglichen Zusammenhang zwischen den Todesfällen aufmerksam. Und ihr wird klar, dass hinter der idyllischen Fassade der Provinz ungeahnte Abgründe lauern ...
(Quelle: Heyne Verlag)

Kurze Zusammenfassung:
Ira Wittekind ist wieder in die Nähe ihrer Heimat gezogen. Eigentlich wollte sie gar nicht wieder so tief in alte Verbindungen einsteigen, doch durch den Tod von Verena und Richard wird sie direkt mit dem ehemaligen Dorfleben konfrontiert.
Obwohl Ira mit Verena so gut wie nichts mehr zu tun hatte, wird sie von den Menschen in ihrem Heimatort noch immer als Verenas Freundin angesehen.
Schnell fallen Ira einige Ungereimtheiten bezüglich des Todes ihrer alten Freunde auf und sie merkt, dass hier nicht alles so ist, wie es scheint.
Als sie dann auch noch den lange vermissten Michael findet und Michael die Verbindungsstelle zwischen Verenas Tod und Richards Vergangenheit zu sein scheint, wird Ira klar, dass das Dorfleben nie so idyllisch war, wie sie glaubte.
Und nun will Ira die ganze Wahrheit herausfinden ...


Fazit:
Das Buch lag recht lange auf meinem Nachttisch und immer kam ein anderes Buch dazwischen. Mal ein lang ersehnter amerikanischer Pageturner, mal ein Lebensratgeber und und ...
Ich weiß eigentlich nicht wirklich, was mich vom Lesen abgehalten hat, denn als ich das Buch zum ersten Mal aufschlug und wenige Seiten gelesen hatte, war ich eingesaugt.
Ruckzuck waren drei Stunden um, die Bügelwäsche blieb liegen und ein Telefonanruf wurde geflissentlich ignoriert, weil ich das Buch nicht weglegen wollte.
Carla Berling hat es geschafft die Atmosphäre und die Stimmung eines kleinen Ortes in der Provinz so authentisch zu beschreiben, dass zwischendurch immer wieder Bilder meiner eigenen Kindheit, irgendwo im Nirgendwo, in mir aufstiegen.
Da reichte ein Satz um das Bild zu vervollständigen und ich sah mich wieder Bonanzarad fahren bis die Eltern im Dunklen suchten und schimpften.
Aber auch die Interaktionen in Berlings Kulisse, die Blickkontakte, die ganzen Sätze die nur mit einem Schnauben ausgetauscht werden, sind so hervorragend beschrieben, dass Frau Berling mit Sicherheit mal im "Löwenbräu", der "Halben-Hähnchen Kneipe" meiner Kindheit, gesessen hat ;)
Nein im Ernst, natürlich sind die Strukturen auf dem Land überall ähnlich und bestimmte Verquickungen sind hier wie dort die Gleichen, aber es ist trotzdem eine Kunst diese Stimmungen und diesen Klüngel so einzufangen, dass man sofort eine Bilderflut vor sich sieht.
Der Krimi verliert sich natürlich nicht in Stimmungen und Bildern, sondern ist ein handfester Krimi, in dem es zum Teil auch ganz schön fies zugeht.
Ungeschönt beschreibt Carla Berling was Gier und Bösartigkeit für Folgen haben kann und was mit jemanden passiert, der in diesen Strudel gerät.
Sämtliche Figuren in dem Buch fand ich sehr deutlich herausgearbeitet und für die Situationen stimmig und passend.
Die Geschichte an sich, fand ich auch durchaus glaubwürdig und spannend.
Mir hat auch gefallen, dass dieser Krimi nicht ganz so blutig ist und die Ermittlungen Ira Wittekinds bisweilen eine Puzzlearbeit war, an der ich, als Leserin, gut mitpuzzlen konnte.
Ich könnte mir dieses Buch auch unheimlich gut verfilmt, als Tatort, vorstellen, die Stimmungen und der Plot würden gut passen.
Ich werde auf jeden Fall meiner Mutter einen Krimi von Carla Berling zu Weihnachten schenken. 
Meine Ma liest unheimlich gerne Krimis, mag es aber nicht, wenn die Bücher zu sehr aufregen.
Und ich selbst werde die Autorin mit Sicherheit im Auge behalten und mich auf den nächsten Krimi von ihr freuen.