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Samstag, 16. November 2024

"Abgrund" von Robert Harris


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  • Heyne Verlag
  • gebundenes Buch
  • Seitenzahl: 510
  • Erscheinungstermin: 6. November 2024
  • ISBN: 9783453273726
  • 25,00 Euro

Klappentext:

Sommer 1914. Die Welt am Rande der Katastrophe.

In London hat die 26-jährige Venetia Stanley - aristokratisch, klug, unbekümmert - eine Affäre mit Premierminister H. H. Asquith, einem Mann, der mehr als doppelt so alt ist wie sie. Er schreibt ihr wie besessen Liebesbriefe und teilt ihr die heikelsten Staatsgeheimnisse mit.

Während Asquith das Land unfreiwillig in den Krieg gegen Deutschland führt, untersucht ein junger Geheimdienstoffizier die widerrechtliche Enthüllung streng geheimer Dokumente - und plötzlich wird aus einer intimen Affäre eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit, die den Verlauf der politischen Geschichte verändern wird.
(Quelle: Heyne Verlag)


Was passiert:
Premierminister H. H. Asquith, in zweiter Ehe verheiratet und Vater von sechs Kindern, regiert Großbritannien in schwierigsten Zeiten. Doch so sehr ihn die Politik auch fordert, Zeit für seinen Hang zu jungen Frauen hat er dennoch.
Seine derzeitige Geliebte ist die junge und kluge Venetia Stanley.
Während Margot, Asquiths Frau, immer weiß welche Frau gerade in der Gunst ihres Mannes steht, vermuten und ahnen Venetias Eltern nur.
Deswegen sorgen sie dafür, dass sich Venetia möglichst weit weg von London aufhält. Erst in der Sommerfrische in Wales und anschließend soll sie mit ihrer Mutter nach Indien reisen.
Das Bestreben Venetias Eltern ändert nichts an der Nähe zwischen Asquith und ihr. Im Gegenteil, da sie sich nicht mehr sehen können schreiben sie sich mit einer fast besessenen Intensität unzählige Briefe.
Während Venetia in ihren Briefen oft belanglose Alltäglichkeiten berichtet, bezieht der Premierminister sie immer mehr in seine politischen Entscheidungen mit ein. Er schickt ihr höchstgeheime Informationen und zu guter Letzt sogar Originaldokumente...


Fazit:
Wie schafft es Robert Harris nur aus so einem langweiligen Stoff wie die Wochen vor Beginn des ersten Weltkriegs in Großbritannien, einen Roman zu schreiben den ich nicht mehr aus der Hand legen konnte?
Bisher hat mich jedes seiner Bücher fasziniert und gefesselt und auch "Abgrund" hat mich so richtig gepackt.
Harris gibt den Namen in trockenen historischen Fakten ein Gesicht und Charakter. Schlagartig werden die Persönlichkeiten lebendig und begreifbar.
Winston Churchill ist dann nicht mehr nur der Mann auf dem Foto, der mir nichts sagt, sondern er wird zu einem listigen Fuchs, von dem man weiß, er wird es weit bringen.
Asquith, den ich immer ein wenig als Kriegstreiber wahrnahm, stellte sich auch als solcher heraus. Allerdings nicht als Kriegstreiber im herkömmlichen Sinne, er schien vielmehr gar nicht zu verstehen, in welche Situation er Großbritannien manövrierte. Noch wenige Tage vor dem Kriegseintritt verneinte er die Wahrscheinlichkeit vehement.
Besonders interessant war für mich seine Abhängigkeit von Venetia Stanley. Die historisch belegten Briefwechsel wurden lebendig und bekamen eine Bühne.
Obwohl ich mich zwischendurch immer wieder fragte, was er eigentlich von Venetia möchte. Eine leidenschaftliche Affäre wohl nicht. Bestätigung? Als Mann? Als Politiker? Oder war es jemand, der aus der Distanz eines Briefwechsels die Illusion von Nähe schöpfte?
Egal ;), wichtig ist, dass ich es nicht für möglich gehalten habe, dass mich eine farblose Persönlichkeit wie Premierminister H. H. Asquith so fesseln könnte.
Robert Harris hat mir mit diesem Buch nicht nur absolut unterhaltsame Lesezeit geschenkt, sondern er hat mir wichtiges geschichtliches Wissen mitgegeben, ohne das dies auch nur eine Minute Langweilig gewesen wäre.
Seine akkuraten Recherchen und die lebendige Art zu erzählen haben einen richtig tollen Roman erschaffen, den ich wirklich gerne gelesen habe.


Vielen Dank an den Heyne Verlag für dieses Rezensionsexemplar


Freitag, 8. November 2024

"Helden" von Frank Schätzing

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  • Kiepenheuer & Witsch Verlag
  • Gebundenes Buch
  • Seitenzahl: 1035
  • Erscheinungstermin: 16. Oktober 2024
  • ISBN-13: 9783462000979
  • 36,00 Euro


Klappentext:
In seinem neuen epochalen Roman »Helden«, der den Weltbestseller »Tod und Teufel« kongenial fortsetzt, zeichnet Frank Schätzing das Bild einer abendländischen Gesellschaft im Umbruch. Vor dem Hintergrund gewaltiger Umwälzungen, in denen bereits die Renaissance und die Neuzeit aufscheinen, im ewigen Spannungsfeld von Macht und Moral, schickt Schätzing seinen Helden Jacop auf einen Höllenritt durch die Geschichte.

1263: Jacop der Fuchs steckt in Schwierigkeiten. Und zwar gewaltig, so wie vor drei Jahren, als er in eine Intrige Kölner Patrizier geriet und nur knapp dem Tod entging.
Danach hat sein Schicksal eine vielversprechende Wendung genommen. Er wurde ehrbar, vom Dieb zum Kaufmannslehrling. Doch wieder muss er um sein Leben laufen, kämpfen, schwimmen... gejagt von Geistern der Vergangenheit, schottischen Söldnern und der furchteinflößenden Blonden Hexe. Hineingeworfen in einen Sturm, der ganz Europa erfasst, ausgelöst durch englische Barone, die nichts Geringeres planen, als ihren König zu entmachten und die absolute Monarchie abzuschaffen.
Was ist schiefgegangen? Wäre Jacop bloß in Köln geblieben, bei seinen Freunden. Doch auch da spitzen sich die Machtkämpfe dramatisch zu...
(Quelle:Kiepenheuer & Witsch)


Was passiert:
1260: Jacop der Fuchs lebt in Köln und eigentlich geht es ihm nicht so schlecht. Von Jasper lernt er alles über Physik und Philosophie und hat in ihm einen verlässlichen Vertrauten gefunden, Richmodis, die Tochter von Jaspers Schwagers ist ihm sehr zugetan und auch er kann sich vorstellen an Richmodis gebunden zu sein ...
Langsam aber sicher wird aus ihm ein ehrbarer junger Mann, doch etwas zerrt an ihm, lässt ihn Unvollständig sein, und so kann er, als Richmodis in einem romantischen Augenblick die Heirat anspricht, nur flüchten. Er flüchtet nicht vor der Ehe und auch nicht vor Richmodis, er flüchtet vielmehr vor der Wahrheit.
Jacop hat den Tod seiner Familie noch immer nicht überwunden und tatsächlich kann er diese Tragödie gar nicht überwinden, denn sein Gedächtnis hat wichtig Passagen des Todestages ausgelöscht und Jacop weiß, dass er ohne diese Informationen nicht vollständig sein wird.
So verlässt Jacop zusammen mit Jasper Köln und kehrt nach Worringen zurück. Doch das ist erst der Beginn seiner Reise ...


Fazit:
Eine rasante Fahrt durch eine fremde und doch vertraute Welt. Von der ersten bis zur letzten Seite bunt, prall, magnetisch.
Frank Schätzing hat ein Werk geschaffen, dass nicht nur in seiner äußeren Erscheinungsform wuchtig und mächtig ist. Das Buch wiegt 1,2 kilo aber das ist auch das einzige was hier "schwer verdaulich" ist.
Äußerlich mag das Buch schwer wiegen, aber der Inhalt trug mich federleicht durch mehr als 1000 Seiten. Das soll aber nicht bedeuten, der Inhalt könnte seicht oder flach sein, ganz im Gegenteil. Selten habe ich mich mit solcher Leichtigkeit in ferne Zeiten begeben und in dieser Leichtigkeit so viele spannende und auch tiefgründige Momente erlebt.
Schätzing beschreibt das Mittelalter lebendig und in seiner ganzen Vielfalt. Bei uns herrscht ja noch immer das Bild vom finsteren Mittelalter vor, arm, erbärmlich und voller Dunkelheit. Pest, Klerus und Adel setzten die Menschen unter Druck und wenn weder Krankheit noch Obrigkeit Leben auslöschten fand irgendwo ein Krieg statt. In "Helden" wird natürlich auch diese Seite des Mittelalter beschrieben, aber neben dieser Dunkelheit kommt auch das pralle bunte Leben nicht zu kurz. Liebe, Sehnsucht nach Bildung und Wissen sowie Zeitvertreib hatten im Mittelalter nämlich ebenso einen Platz wie heute bei uns.
Mich hat die Geschichte durchgehend gefesselt. Manchmal, wenn mir die Intrigen ein bißchen viel wurden, begegnete mir Richmodis mit ihrer Sehnsucht nach Jacop und meine (Lese)Welt war wieder in Ordnung.
Das hat Schätzing, neben einer richtig guten Recherche und den passenden Adjektiven am richtigen Platz, wirklich gut hinbekommen: die zarte Liebe und Sehnsucht die Richmodis an Jacop bindet.
Die richtige Dosis Romantik halt, also nicht zu kitschig aber auch nicht zu trocken.
Zum Schluss konnte ich mich nur schwer von dem Buch lösen und las immer weniger Seiten am Tag. Solch ein Leseverhalten zeigt mir immer das ich in der Buchwelt bleiben möchte und mir das Buch wirklich viel gibt.
Ich habe mir auch etliche Stellen markiert, weil mir die Gedanken dort so sehr gefielen. Das Gedankenspiel über die Zeit auf Seite 88 liebe ich sehr.
Ein bisschen gefuchst (haha Wortspiel für andere die das Buch schon durch haben) hat mich, dass am Ende ein loser Faden vom Anfang wieder aufgenommen wurde.
Jetzt muss ich tatsächlich auch das nächste Buch der Reihe lesen.
"Helden" ist die Fortsetzung von "Tod und Teufel" aber es ist nicht zwingend notwendig "Tod und Teufel" zu lesen um "Helden genießen zu können.


Vielen Dank an den Kiepenheuer & Witsch Verlag für dieses wunderbare Rezensionsexemplar


Sonntag, 19. Mai 2024

"Das Meer der Lügen" von Diana Gabaldon

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  • Lord-John-Reihe 1
  • Verlag: Knaur
  • Broschiertes Buch
  • Seitenzahl: 379
  • Erscheinungstermin: 2. April 2024
  • ISBN: 9783426530443 
  • 18,99 Euro


Klappentext:
Der britische Offizier Lord John Grey ist eben erst aus dem schottischen Exil nach Hause zurückgekehrt, als ihn im London des Jahres 1757 neues Ungemach erwartet: Er erhält den prekären Auftrag, vertrauliche Papiere aufzuspüren, die der britischen Armee gestohlen wurden - vermutlich von einem der eigenen Soldaten!
Dazu kommt, dass der Ehrenwerte Joseph Trevelyan, der Verlobte von Lord Johns Cousine, ein Doppelleben zu führen scheint. Um seine Familie vor einem Skandal zu schützen, folgt Lord John so diskret wie möglich den rätselhaften Spuren Trevelyans - und gerät dabei nicht nur in Lebensgefahr, sondern muss auch sein eigenes Verständnis von Moral, Liebe und Loyalität in Frage stellen.
(Quelle: Knaur Verlag)


Was passiert:
Als Lord John Grey in seinem Club, neben der Pflege gesellschaftlicher Kontakte, einen Blick zu viel riskiert, entdeckt er, dass der zukünftige Mann seiner Cousine, Joseph Trevelyan, wahrscheinlich an einer sehr aussagekräftigen Krankheit leidet. Den Blick riskierte er auf der Toilette und die Krankheit, um die es sich dreht, ist die Syphilis.
Lord John zweifelt nun ernsthaft an Trevelyans Eignung zum Ehemann und möchte so schnell wie möglich Beweise für Trevelyans ungehörigen Lebenswandel finden.
Auf der Suche nach Ideen und Verbündeten um die Ehre seiner Cousine zu retten stößt er jedoch auf Leichen, Verrat und Intrigen.
Die Rettung der Zukunft seiner Cousine gerät so an zweiter Stelle, zuerst muss er das Königreich retten ....


Fazit:
"Das Meer der Lügen" ist ein Spin-off Roman aus der "Outlander"-Reihe. Wer allerdings eine Art Klassentreffen mit bekannten Figuren aus der Reihe erwartet, wartet vergeblich. Zwar spielt Lord John Grey die Hauptrolle in dem Buch, doch die Geschichte rund um Jamie Fraser wird nur gelegentlich mal am Rande gestreift.
Es geht hier ausschließlich um Lord John.
Der allerdings hat mich hier genau so begeistert, wie in den "Outlander"-Romanen.
Irgendwie habe ich diese hölzerne, steife Persönlichkeit, die nicht aus ihrer Haut kann, in mein Herz geschlossen.
In "Das Meer der Lügen" ist Lord John allerdings nicht der mächtige John, der das Sagen hat, sondern ein kleines Licht unter vielen Lords. Er geht ein wenig unter in der Masse gleichrangiger Lords, bis zu dem Augenblick, als seine Klugheit und Kombinationsgabe gefragt ist.
Mir hat das Bild Londons im 18. Jahrhundert, dass Diana Gabaldon "gemalt" hat, sehr gut gefallen. Sie kann Adjektive einfach so punktgenau setzen, dass aus Worten Bilder werden.
Ob es eine Leichenschau mit antiquarischen Methoden ist, oder ein Streit zwischen zwei Frauen mit zweifelhaften Ruf in einer engen Gasse, die Szenen wurden lebendig und haben das Buch so zu einem Vergnügen gemacht.
Einzig der steife Umgang der adeligen Gesellschaft untereinander und Lord Johns bestreben immer und überall seinem Rang entsprechend zu agieren war bisweilen ein wenig anstrengend, aber ich glaube, dies hat nichts mit dem Buch an sich zu tun, sondern eher damit, dass das 18. Jahrhundert schlicht sehr steif war.
Nach dem Lesen des Buches kann ich mir richtig gut noch andere Spin-offs aus der Welt von Jamie und Claire vorstellen. Mir schweben da Bücher über Geillis Duncan oder Murtagh FitzGibbons Fraser vor und auch ein zweites Buch in dem Lord John Grey die Hauptrolle, wäre mir sehr willkommen.

Vielen Dank an den Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar


Donnerstag, 10. November 2022

"Königsmörder" von Robert Harris


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  • Heyne Verlag
  • Gebundenes Buch
  • Historischer Roman
  • 544
  • Erscheinungstermin: 27. Oktober 2022
  • ISBN: 9783453273719
  • 24,00 Euro

Klappentext:
England, 1660. König Karl II. erlässt mit einer Akte der Verzeihung ein Generalpardon. Ausgenommen sind die Königsmörder, jene Hochverräter, die das Urteil zur Enthauptung seines Vaters Karl I. unterzeichnet haben. Dazu gehören auch die Oberste Whalley und Goffe, die im Bürgerkrieg auf der Seite Oliver Cromwells kämpften. Sie können rechtzeitig in die neuen Kolonien in Amerika fliehen. Die Flüchtlinge treffen dort auf eine Gesellschaft, die durch einen pietistischen Fanatismus geprägt ist und sich gerade vom Mutterland jenseits des Atlantiks abspaltet. Hier könnten sich die beiden unter Gleichgesinnten in Sicherheit wiegen, wären ihnen nicht ebenso fanatische Häscher auf den Fersen.
(Quelle:  Heyne Verlag)


Darum geht es:
König Karl I brachte sein Versuch die Kirchen gleichzuschalten sowie das Parlament auszuschalten den Tod ein. Die Menschen allerdings wollten nämlich sowohl das Parlament als auch ihre unterschiedlichen Visionen von christlichen Glauben behalten und beantworteten das Bestreben von Karl I mit einem Bürgerkrieg, der nicht nur den vorübergehenden Verlust der Monarchie einbrachte, sondern auch Karl I den Verlust seines Kopfes.
Aber wie heißt es so schön: der König ist tot, lang lebe der König.
Von 1649 bis 1660 übte sich England in Republik, aber ließ dann mit König Karl II die Monarchie wiederauferstehen und wieder wurde ein Stuart zum König gesalbt.
Karl II kann den Tod seines Vaters nicht ganz stillschweigend hinnehmen und erlässt zwar ein Generalpardon, aber will zumindest die Unterzeichner des Todesurteils von Karl I zur Rechenschaft ziehen.
Diese 59 sogenannten Königsmörder werden damit zu Gejagten.
Viele von ihnen sind selbst schon verstorben aber Richard Nayler hat es sich zur Aufgabe gemacht jeden einzelnen der Königsmörder aufzuspüren. Ganz besonders hat er es auf Oberst Edward Whalley und seinen Schwiegersohn Oberst Wiliam Goffe abgesehen, denn Nayler hat mit ihnen noch eine alte Rechnung zu begleichen ...


Fazit:
Robert Harris, Meister der Erzählkunst, hat es mal wieder scheinbar mühelos geschafft mich in seine Geschichte zu saugen und mich viele Lesestunden in fremden Welten und fernen Zeiten verbringen zu lassen.
Okay, ich muss vorneweg zugeben, dass ich die Romane von Robert Harris nicht ganz objektiv beurteilen kann, da ich ein riesengroßer Fan seiner Bücher bin und Harris könnte mir wahrscheinlich sogar seinen Einkaufszettel vorlegen, ich würde den Inhalt begeistert inhalieren ;)
Trotzdem kann ich ohne Zweifel sagen das "Königsmörder" ein großartiger historischer Roman ist.
Zum Lesen inspiriert hat mich zum großen Teil meine Liebe zur Outlander-Serie von Diana Gabbaldon, denn diese Serie lebt auch von dem geschichtlichen Hintergrund um Charles Edward Louis Philip Casimir Stuart, manchmal auch Bonnie Prince Charlie genannt, dem Urenkel von Karl I. Mich hat schon lange brennend interessiert, was denn vor dem Versuch von Charles Edward Louis Philip Casimir Stuart zu König Karl III oder auch King Charles III zu werden, in England und Schottland so los war und was dazu führte, dass Bonnie Prince Charlie kein rechtmäßiger Thronerbe war.
"Königsmörder" hat mir so einiges davon erklärt und das auf eine unterhaltsame Weise, die sogar etwas von einen Kriminalroman hatte.
Die Figuren sind allesamt so dargestellt, dass ich sie wirklich gut ins 17. Jahrhundert verorten konnte, aber trotzdem so nah an unserer Vorstellung von Persönlichkeit, dass sie nicht fremd waren.
Richard Naylers Jagd auf Whalley und Goffe um der Gerechtigkeit genüge zu tun war alleine schon sehr spannend zu lesen, aber der Aspekt, dass Nayler auch einen persönlichen Rachefeldzug gegen die Beiden führt, machte die Sache noch spannender. Gefesselt haben mich hier ganz besonders die Beschreibungen des Lebens in den britischen Kolonien in Amerika des 17. Jahrhunderts. Sie waren total interessant und mancherorts gar nicht so weit weg vom Leben im 21. Jahrhundert. ;)
Natürlich musste ich während der Lektüre immer wieder die historischen Fakten nachlesen und auch mit diesem Buch hat mich Harris nicht enttäuscht, er ist nicht nur ein Meister der Erzählkunst, sondern auch ein Meister der Recherche.
Sämtliche Fakten habe ich auch so, wie er sie beschreibt, in Geschichtsbüchern gefunden. Harris hält sich an die Fakten und gibt den Menschen aus vergangenen Zeiten ein Gesicht und eine Stimme.
Natürlich sind diese Gesichter oder diese Stimmen eine Interpretation der Fakten, aber auch der besten Faktenrecherche muss Leben eingehaucht werden damit daraus ein guter Roman entsteht.

Ich bin auf jeden Fall richtig froh "Königsmörder" gelesen zu haben und habe nun einen ganz anderen Draht zum Untergang der Stuarts, obwohl die in "Königsmörder" gar keine große Rolle spielen ... aber ich habe die Zeit, den Zeitgeist, mehr erfasst. 





Robert Harris auf der #fbm19




Sonntag, 15. November 2020

Rezension "Vergeltung" von Robert Harris



  • Heyne Verlag
  • Hardcover
  • Seitenzahl: 367
  • Erscheinungstermin: 2. November 2020
  • ISBN: 9783453272095
  • 22,00 Euro

Klappentext:

November 1944. Das Deutsche Reich steht vor der Niederlage. In einer Großoffensive setzt es seine modernste Waffe ein - die V2. Tausende dieser ballistischen Raketen mit schwerem Sprengkopf werden auf England abgeschossen. Radar und Aufklärer können sie nicht orten - wie aus dem Nichts stürzen sie mit Überschallgeschwindigkeit auf London herab.
Der Ingenieur Rudi Graf hat mit seinem Freund Wernher von Braun einst davon geträumt, einmal eine Rakete zum Mond zu schicken. Jetzt findet er sich im besetzten Holland wieder, wo er die technische Aufsicht über die Abschüsse hat. Vom Krieg ist er längst desillusioniert. Inzwischen ermittelt gar ein NS-Führungsoffizier wegen Sabotageverdacht gegen ihn.
Kay Caton-Walsh, Offizierin im Frauenhilfsdienst der britischen Luftwaffe, entkommt einem V2-Einschlag nur knapp. Als kurz darauf 160 Menschen von einer der Raketen getötet werden, vor allem Frauen und Kinder, meldet sie sich freiwillig zu einer lebensgefährlichen Mission. Zusammen mitKameradinnen wird sie im befreiten Belgien abgesetzt. Dort sollen sie die mobilen Startplätze ausfindig machen und zerstören. Das Schicksal wird Kay und Rudi schließlich aufeinandertreffen lassen.
(Quelle: Heyne Verlag)


Inhalt:
November 1944, die Welt befindet sich im Krieg. Für den Kriegstreiber Deutschland scheint der Krieg schon fast verloren, doch Deutschland bäumt sich ein weiteres Mal auf: England wird mit der neu entwickelten V2 Rakete bombardiert. Diese Rakete fliegt mit Überschallgeschwindigkeit und kann von der gegnerischen Raketenabwehr kaum geortet werden. Die Zielgenauigkeit der V2 ist zwar nicht optimal, trotzdem fordern die Angriffe hunderte Todesopfer.
Kay Canon-Walsh erlebt die Angriffe in London mit und meldet sich freiwillig um die Startrampen der V2 zu orten. Der Startort der V2 muss berechnet werden und die Basis für diese Arbeit liegt in Belgien. Kay lässt sich nach Belgien versetzen um zu helfen, diese neue, tödliche Waffe der Deutschen unschädlich zu machen.
Auf der anderen Seite stehen Wernher von Braun und der Ingenieur Dr. Rudi Graf. Graf ist durch und durch Ingenieur und hat längst mit dem Kapitel der  Weltherrschaft durch die Nazis abgeschlossen, sein Freund von Braun allerdings möchte noch alles geben um sich einen Platz in der Geschichte zu sichern, auch wenn es tausende an Menschenleben kostet .....


Fazit:
Robert Harris ist für mich einer der ganz großen Geschichtenerzähler. Seine Romane basieren immer auf belegte historische Fakten und er "baut" kunstvoll eine Geschichte rund um diese Fakten und haucht der Historie so ein neues Leben ein.
So auch in "Vergeltung".
Die V2 gab es wirklich und wurde auch tatsächlich unter der Leitung von Wernher von Braun entwickelt. Allerdings hieß sie anfangs noch A4, Aggregat 4, und wurde erst 1944 in V2, Vergeltungswaffe 2, umbenannt.
Bis zu 20.000 KZ Häftlinge und Zwangsarbeiter verloren beim Bau der Rakete ihr Leben und durch den Einsatz der V2 kamen rund 8000 Menschen zu Tode.
Diesen Fakten hat Harris in "Vergeltung" einen Platz gegeben und für uns Leser in einen fesselnden Roman gepackt.
Rund um die Fakten tummeln sich natürlich fiktive Figuren, mit ihren Geschichten, aber das tut der Quintessenz keinen Abbruch.
Harris hat uns hier wieder ein Stück Geschichte näher und begreifbarer gemacht.
Die 5 Tage im November, die Harris in "Vergeltung" beschreibt, sind natürlich auch eine Auseinandersetzung mit "Gut" und "Böse", allerdings findet diese sehr differenziert statt. So sind auch unter den Deutschen nicht alle Figuren per se böse. Rudi Graf, zum Beispiel, ist Ingenieur, von Träumen getrieben, aber nicht wirklich ein überzeugter Nazi.
Kay steht zwar auf der Seite der Guten, aber auch sie ist nicht frei von Makel, so hat sie eine Affäre hinter sich, deren womöglich Folgen für sie katastrophal werden könnten.
Aber mit diesen Nebenschauplätzen wird der Roman lebendig, werden die historischen Fakten zu menschlichen Geschichten.
Damit wird trockene Geschichte für den normalen Leser ein Erlebnis und nach Beenden der Lektüre kennt man Geschehen aus vergangenen Zeiten, mit denen man sich bisher kaum auseinandergesetzt hat.
Ich mag das und bin ein großer Fan von Harris Büchern und auch dieser Roman hat mich sehr begeistert.





Samstag, 7. November 2020

Rezension "Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit" von Ken Follett


                                                                                                                        Werbung


  • Bastei Lübbe Verlag
  • Kingsbridge Bd.4
  • Hardcover
  • 1017 Seiten
  • Altersempfehlung: ab 16 Jahren 
  • Erscheinungstermin: 15. September 2020
  • ISBN-13: 9783785727003
  • 36,00 Euro


Klappentext:
England im Jahr 997. Im Morgengrauen wartet der junge Bootsbauer Edgar auf seine Geliebte. Deshalb ist er der Erste, der die Gefahr am Horizont entdeckt: Drachenboote. Jeder weiß: Die Wikinger bringen Tod und Verderben über Land und Leute. Edgar versucht alles, um die Bürger von Combe zu warnen. Doch er kommt zu spät. Die Stadt wird beinahe völlig zerstört. Viele Menschen sterben, auch Edgars Familie bleibt nicht verschont. Die Werft der Bootsbauer brennt nieder. Edgar bleibt nur ein Ausweg: ein verlassener Bauernhof in einem Weiler fern der Küste. Während Edgar ums Überleben kämpft, streiten andere um Reichtum und Macht in England. Unter ihnen: der gleichermaßen ehrgeizige wie skrupellose Bischof Wynstan, der idealistische Mönch Aldred und Ragna, die Tochter eines normannischen Grafen …(Quelle: Bastei Lübbe Verlag)


Inhalt:
Eigentlich sieht Edgars Zukunft gut aus. Er hat ein gutes Arbeitsangebot und plant mit seiner Liebe den Heimatort Combe zu verlassen.
Doch das Schicksal hat andere Pläne: Combe wird von Dänen überfallen, Edgars Vater getötet und der Hof der Familie in Schutt und Asche gelegt.
Auch Edgars Geliebte kommt bei dem Angriff ums Leben und Edgar hat schlagartig fast alles verloren.
Als Ausgleich für mangelnden Schutz während der Brandschatzung bekommen Edgar, Edgars Mutter und seine Brüder einen Hof in Dreng`s Ferry zugewiesen.
Statt in eine gute Zukunft zu ziehen, verschlägt es Edgar nun auf einen abgewirtschafteten Hof.
Edgar aber ergibt sich nicht seinem Schicksal und beginnt seine Welt zu verändern ...


Fazit:
"Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit" ist der vierte Band der Kingsbridge-Reihe und doch zugleich der erste Band. Er spielt vor "Die Säulen der Erde" und bereitet quasi den Boden für Tom und den Bau der Kathedrale in "Die Säulen der Erde".
Der Roman spielt im Zeitraum von 997 bis 1007, also etwas mehr als hundert Jahre vor "Die Säulen der Erde".
Edgar ist ein kluger Kerl, der seine Talente entwickelt und ausschöpft (ebenso wie Tom in "Die Säulen der Erde").
Doch Talent alleine reichte im dunkeln Mittelalter nicht aus. Beziehungen, harte Arbeit und die Fähigkeit Gelegenheiten zu nutzen, mussten sich zu den Talenten gesellen, damit sie Früchte tragen konnten.
Dank dieser Kombination von Fähigkeiten schafft es Edgar aus dem kleinen verschlafenen Nest Dreng`s Ferry den Ort Kingsbridge zu entwickeln, in dem über hundert Jahre später eine beeindruckende Kathedrale stehen wird.
Natürlich hatte hier Edgar nicht alleine die Fäden in der Hand. 
Ragnild, die französische Ehefrau des Alderman Wilwulf von Shiring, wie auch der Mönch Aldred gestalten das Werden und Wachsen von Kingsbridge ebenfalls. Ragna eher impulsiv und Aldred mit religiöser Überzeugung, verweben ihr Schicksal mit Kingsbridge und gestalten die Zukunft des Ortes, deren Grundstein durch Edgars Talente gelegt werden.
Ich habe "Die Säulen der Erde" geliebt und auch "Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit" liebe ich.
Ken Follett schafft es immer wieder mich aus dem Hier und Jetzt herauszuholen und in eine vollkommen andere Zeit zu versetzen.
Das hat mit gerade jetzt, während der sorgenvollen Monate der Pandemie, unheimlich gut getan. Zur Zeit schlafe ich sehr schlecht, oft ist der Kopf zu voll mit Sorgen. So habe ich mir das Buch sorgsam eingeteilt und jeden Abend, vor dem Schlafen gehen, meine Seiten gelesen. Ich fand es wunderbar und sehr erholsam mit den Bildern aus Kingsbridge in den Schlaf zu gleiten.
Natürlich ist das Mittelalter keine einfache Zeit gewesen und Ken Follett hat hier auch nichts beschönigt, aber Edgars Leben und sein Geschick als "Einschlafmedizin" zu genießen war eine wahre Erholung vom Alltag.
Wie immer war ich auch sehr begeistert über Folletts gute Recherche und seine bildgewaltige Sprache. Er schafft es immer wieder aus Worten Bilder entstehen zu lassen, die bunter und lebendiger kaum sein können. So werden gemütlichen Lesestunden zu einer fesselnde Zeitreise.
Ihr merkt: ich bin ein großer Fan von Folletts historischen Romanen.
Ich werde mir jetzt auf jeden Fall "Die Säulen der Erde" kaufen und noch einmal lesen, denn die letzte Lektüre liegt über 10 Jahre zurück und ich glaube, nun sehe ich das Kingsbridge aus dem 12. Jahrhundert mit anderen Augen.

Vielen Dank an den Bastei Lübbe Verlag für dieses Rezensionsexemplar, es hat mir sehr viel Lesevergnügen bereitet.

Samstag, 5. Oktober 2019

Rezension "Teufelskrone" von Rebecca Gablé





  • John of Waringham Bd. 6
  • Bastei Lübbe Verlag
  • Gebundenes Buch
  • 925 Seiten
  • Erscheinungsdatum: 30. August 2019
  • ISBN: 9783785726600
  • 28,00 Euro



Klappentext:
England 1193: Als der junge Yvain of Waringham in den Dienst von John Plantagenet tritt, ahnt er nicht, was sie verbindet: Beide stehen in Schatten ihrer ruhmreichen älteren Brüder. Doch während Yvain und Guillaume of Waringham mehr als die Liebe zur selben Frau gemeinsam haben, stehen die Brüder John Plantagenet und Richard Löwenherz auf verschiedenen Seiten - auch dann noch, als John nach Richards Tod die Krone erbt. Denn Richards Schatten scheint so groß, dass er John schon bald zum Fluch zu werden droht ...
(Quelle: Bastei Lübbe Verlag)


Kurzer Einblick in den Inhalt:
Das 12. Jahrhundert steht kurz vor der Vollendung und es sind wilde Zeiten.
Die Brüder Yvain und Guillaume of Waringham stehen im Dienst der Brüder Richard Löwenherz und John Ohneland, beide aus dem Geschlecht der Plantagenets.
Yvain, der jüngere Bruder, ist im Dienst John Ohnelands und Guillaume, der ältere Bruder dient dem älteren, der königlichen Brüder, Richard Löwenherz.
Guillaume hat nicht nur den höheren Rang im Altersgefüge, er dient auch dem König Richard Löwenherz.
Als Richard stirbt, wird sein Bruder John der neue König von England und damit nun auch Yvain Ritter eines Königs.
Yvain hat seinem Herren Treue geschworen und stellt seinen Eid über alles. Doch im Laufe der Jahre wird Yvain Treue immer mehr auf die Probe gestellt, denn John entwickelt sich zu einem grausamen Herrscher.
Irgendwann kennt König Johns Grausamkeit keine Grenzen mehr und Yvain gerät in einen tiefen Konflikt zwischen seiner Loyalitätsverpflichtung und seinem Gewissen ....

Fazit:
Richard Löwenherz und König John kenne ich eigentlich nur aus der Geschichte um Robin Hood.
Dort war John als grausamer und gieriger König dargestellt und Richard Löwenherz als der Gütige.
Ich fand es nun sehr interessant, diese Persönlichkeiten nun auch mal innerhalb einer anderen Geschichte kennen zu lernen. Auch hier hat John die Rolle des Despoten inne, aber Richard kommt nicht so gut weg, wie in der Geschichte um Robin Hood.
Richard Löwenherz ist hier mehr an Kreuzzügen und an Ruhm interessiert als an dem Wohlergehen des Volkes und seinem Land.
Das war für mich eine ganz neue Sichtweise (.... die ich aber schon früher hätte haben können, wenn ich denn mal Geschichtsbücher gelesen hätte :D )
Richard und sein Leben spielt in diesem Buch aber nicht die tragende Rolle, von den historisch belegten Personen geht es eher um John Ohneland, König von England, Lord von Irland, Herzog der Normandie und Aquitanien und Graf von Anjou.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert, von denen sich zwei Teile um Richard drehen, nämlich Teil 1 in der Richards Entführung und Abwesenheit die Geschichte tragen und Teil 2 mit der Regentschaft Richards, seinem Tod und den Übergang der Regentschaft Richards zu Regentschaft Johns, Teil 3 allerdings beherrscht John alleine.
In diesen drei Teilen ist eine enorme Entwicklung der Persönlichkeiten zu sehen. John, der im Schatten seines großen Bruders stand, entwickelt sich von einem Strategen, der seine Gefühle nicht im Griff hat, zu einem unglaublichen Despoten, der durch und durch grausam ist.
Yvain, der auch im Schatten des älteren Bruders stand, hatte zu Beginn viele Probleme durch seine zu forsche Zunge und entwickelt sich zu einem Diplomaten, der sich selbst sehr bewusst hinten anstellen kann.
Ich habe unheimlich lange gebraucht das Buch zu lesen, weil ich zwischendurch immer wieder auch in Geschichtsbüchern gelesen habe oder über das Leben damals nachdenken musste.
Natürlich hat Rebecca Gablé Fiktion und belegte Tatsachen vermischt, aber ich glaube ihre Beschreibung kommt der Realität recht Nahe. 
Ich könnte mir nicht vorstellen zu der damaligen Zeit zu leben. Wie unterschiedlich alleine schon die Rolle der Frau von Damals zu Heute ist.
Heute sind wir Frauen (zumindest in der westlichen Welt) selbständig, wir sagen unsere Meinung und lassen uns nicht hin und her schieben. Damals hatte die Frau die Rolle der Gebärerin, des Anhängsels, das nichts zu sagen hatte.
Kein freier Wille, keine eigenen Entscheidungen, höchsten durch Manipulation eines Mannes oder Ränkespielchen. Eigentlich unfassbar welchen Weg wir Frauen zurück gelegt haben!
Auch das Leben allgemein wäre für mich nur schwer vorstellbar. Der normale Mensch hatte keine Rechte, er war leibeigen, gehörte also quasi dem König. Ich, heute, gehöre niemanden, nur mir selbst und wenn ich irgendwo nicht sein mag, dann stehe ich auf und gehe.
Bei all diesen Gedanken habe ich gemerkt, das Rebecca Gablé mich mal wieder  mit auf eine Zeitreise genommen hat, die ich auch kaum abschütteln konnte, wenn ich das Buch mal zur Seite gelegt habe.
Rebecca Gablés lebendige Schreibweise saugte mich ganz tief in ihr Buch ein und ließ mich auch Tage nach dem Beenden des Buches nicht mehr hinaus. Manchmal war ich so tief in der Geschichte, dass ich förmlich das Knistern der Kleider hörte und den Duft der Pferde gerochen habe.
 Nachdem ich die letzte Seite gelesen habe, standen zwei Gedanken im Vordergrund:
1. Wann kommt ihr nächstes Buch heraus
und 
2. Bitte, liebe Frau Gablé, höre niemals auf zu schreiben und vielen Dank für diese fantastische Geschichte um Yvain of Waringham








Sonntag, 26. Mai 2019

"In der Mitte der Nacht" von Minette Walters





  • Lady Anne Bd. 2
  • Gebundenes Buch
  • Heyne Verlag
  • 543 Seiten
  • Erscheinungstermin: 13. Mai 2019
  • ISBN: 9783453271722
  • 22 Euro



Klappentext:
September 1348: Seit Monaten wütet die Pest in Südengland. Lady Anne of Develish ist es gelungen, ihre Schutzbefohlenen in Sicherheit zu bringen. Doch die Versorgung wird mit der Zeit immer schwieriger. Ihr geliebter Verwalter Thaddeus ist losgezogen, um Vorräte zu beschaffen und weitere Überlebende zu retten. Da er als Bastard eines Leibeigenen über keinerlei Einfluss verfügt, nennt er sich mit Lady Annes Billigung kurzerhand "Milord of Athelstan". Eine hochgefährliche Strategie: Auf eine derartige Titelanmaßung steht nichts anderes als der Tod. Der Plan geht gut, bis Hugh de Courtesmain auftaucht, der neidzerfressene ehemalige Verwalter von Develish. Thaddeus wird gefangengenommen und verhört. Wird Lady Anne ihn retten können, bevor er - und mit ihm die Gesellschaft von Develish - verloren ist?
(Quelle: Heyne Verlag)


Kurze Zusammenfassung:
Die Pest ist immer noch nicht abgeklungen, aber Lady Anne of Develish konnte die Bewohner ihrer Burg bisher vor der Krankheit schützen.
Sie hat die Burg geschlossen und von der Außenwelt abgeschnitten.
Einzig über die Mauer gelingt ein Blick nach Außen, doch betreten darf die Burg niemand, der nicht sicher gesund ist.
Anne weiß um Ansteckung und Inkubationszeiten und mit diesem Wissen schützt sie die ihr Anvertrauten.
Doch nach und nach wird die Versorgungslage immer schlechter, die Vorräte der Burg gehen zur Neige.
Lebensmittel müssen dringend besorgt werden, aber diese Aufgabe darf nur jemanden übertragen werden, der weiß was zu tun ist, der weiß, wie man sich schützt.
Lady Anne ist sich im Klaren darüber, dass nur ihr Verwalter Thaddeus dazu in der Lage ist, jedoch ist Thaddeus auch innerhalb der Burg ihr einziger Schutz.
Schweren Herzens lässt sie ihn ziehen, seine Mission ist gefährlich und als Bastard hat er weder Rechte noch Befugnisse.
Nach kurzer Zeit stellt Thaddeus fest, dass er sich als Bastard kaum von den marodierenden Banden unterscheiden lässt, überall herrscht Misstrauen und Hilfsbereitschaft gibt es kaum noch.
Also verleiht er sich kurzerhand einen wohlklingenden Namen und einen Adelstitel um so seine Chancen auf die Rettung der Burg zu vergrößern.
Allerdings hat er nicht mit alten Feinden gerechnet und schon bald begegnet er dem ehemaligen Verwalter de Courtesmain.
De Courtesmain brennt vor Rache und hofft nun auf einen Schlag Thaddeus und Lady Anne zu vernichten, doch auch dieses mal unterschätzt er Lady Annes Klugheit.


Fazit:
Wie schon zu Band 1 beschrieben, bin ich eigentlich nicht so der Fan von historischen Romanen, aber mich lockte hier einfach die Autorin.
Minette Walters ist ja schon eine der ganz großen englischen Krimiautorinnen und ich war einfach neugierig wie sich ein historische Roman von ihr liest. 
Ja, er liest sich super! Band 1 hat mir sehr gut gefallen und so musste ich jetzt natürlich auch Band 2 lesen.
Auch dieses Buch hat mich nicht enttäuscht. Die Geschichte einer starken und klugen Frau, die sich der Obrigkeiten widersetzt und dabei unbeirrt ihren Weg geht, hat sich spannend und packend fortgesetzt.
Minette Walters beschreibt die Lebensumstände der Frauen im Mittelalter so plastisch, dass ich einfach nur froh bin jetzt, im Jahr 2019, zu leben.
Lady Anne of Develish besitzt eine Bildung und eine Klugheit, die in der damaligen Zeit eine große Gefahr für Frauen darstellten. Frauen hatten keine Rechte und waren Besitz des Mannes. Gab es keinen Mann mehr, drohte jederzeit die Gefahr, dass sich jemand die Frau einfach nahm. Ohne Mann waren die Frauen recht- und schutzlos.
Eine eigene Stimme, eine eigene Meinung der Frau zählte nicht.
Lady Anne hat beides: eine Stimme und eine Meinung, zusätzlich ist sie schlau und möchte nicht auf ihre neu gewonnene Freiheit verzichten. Eine Freiheit, in der sie auch lieben kann, wen sie lieben möchte.
Das was für uns heute selbstverständlich ist, ist für Lady Anne ein gefährliches Unterfangen, was sie jedoch geschickt und sympathisch meistert.
Ich mag Lady Anne und ihre Geschichte und ich würde mich sehr freuen wenn es hier noch einen dritten Band geben würde.


Sonntag, 10. März 2019

Rezension "1793" von Niklas Natt och Dag

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  • Piper Verlag
  • Broschiertes Buch
  • 494 Seiten
  • Erscheinungstermin: 1. März 2019
  • ISBN: 9783492061315
  • 16,99 Euro
  Klappentext: "Ein Meisterwerk. Ein wilder und ungewöhnlicher Mix, der das ganze Krimigenre revolutioniert." Arne Dahl Stockholm im Jahr 1793: Ein verstümmeltes Bündel treibt in der schlammigen Stadtkloake. Es sind die Überreste eines Menschen, fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Der Ruf nach Gerechtigkeit spornt zwei Ermittler an, diesen grausamen Fund aufzuklären: den Juristen Cecil Winge, genialer als Sherlock Holmes und bei der Stockholmer Polizei für "besondere Verbrechen" zuständig, und Jean Michael Cardell, einen traumatisierten Veteranen mit einem Holzarm. Schon bald finden sie heraus, dass das Opfer mit chirurgischer Präzision gefoltert wurde, doch das ist nur einer von vielen Abgründen, die auf sie warten ... Der Nummer-1-Bestseller aus Schweden "Stellen Sie sich 'The Alienist - Die Einkreisung' im Stockholm des 18. Jahrhunderts vor: wuchtig, blutig, vielschichtig, herzzerreißend spannend. '1793' ist der beste historische Krimi, den ich in zwanzig Jahren gelesen habe!" A. J. Finn (Quelle: Piper Verlag)   Kurze Zusammenfassung: Im Stockholmer See Fatburen wird die übel zugerichtete Leiche eines Mannes gefunden. Der Tote wurde anscheinend gefoltert, Nägel, Augen, Zähne und Gliedmaßen wurden entfernt und der Torso wie Müll in den See geworfen. Mickel Carrel findet die Leiche in der Kloake und begegnet so dem Ermittler Cecil Winge. Carrel, ein vom Krieg und Elend gezeichneter Krüppel und Winge, der dem Tod geweihte Ermittler aus höheren Kreisen, nehmen sich des Falles an und versuchen gemeinsam den Mörder zu finden. Cecil Winge weiß, dass ihm nicht viel Zeit bleibt, seine Tuberkuloseerkrankung ist im letzten Stadium, doch will unbedingt den grausamen Mörder fassen. Je näher Winge und Carrel der Aufklärung kommen, desto größer werden die Widerstände, die sich ihnen in den Weg stellen. Anscheinend sind an diesem Mord mehr Menschen beteiligt, als vermutet und die Kreise, die eine Aufklärung verhindern wollen, sind machtvoll und einflussreich ....

Fazit:
Dunkel, aufwühlend und hochgradig spannend! Hier hatte ich einen richtig guten nordischen Krimi vor mir liegen, der alle Elemente, die an skandinavischen Thrillern so begeistern, bietet.  Diese dichte und abgründige Geschichte hat Niklas Natt och Dag bildgewaltig im Jahr 1793 inszeniert und den sowieso schon dunklen nordischen Krimi in eine noch dunklere Kulisse versetzt. Wie wir es aus dem Genre kennen, bilden verschiedene Handlungsstränge die Grundlage. Diese verweben sich nach und nach und ergeben zum Schluss ein Gesamtbild. Hier sind die Handlungsstränge aus den Ermittlungen von Winge und Carrel, den Briefen von Blix an Anna-Stina und Anna-Stinas Geschichte gebildet. Durch die Briefe und Anna-Stinas Geschichte erfährt der Leser immer wieder Details, die den Ermittlern noch verborgen sind, trotzdem ist der Leser den Ermittlungen nicht voraus, er muss warten, bis Mickel Carrel und Cecil Winge ihm den Weg zur Lösung zeigen.
Carrel und Winge sind beides keine einfachen Menschen und beide tragen ein hartes Schicksal.
Mickel Carrels Schicksal ist hart, weil er dort geboren wurde, wo die Sonne selten hell scheint und Sorglosigkeit unbekannt ist.
Cecil Winge steht eher auf der Sonnenseite des Lebens, jedoch hat der mit Tuberkulose zu kämpfen und er weiß, dass diese Krankheit sein Leben beenden wird.
Beide Männer können kaum unterschiedlicher sein, haben im Leben eigentlich keine Berührungspunkte und nun müssen sie es schaffen ein funktionierendes Team zu bilden.
Mir haben diese unterschiedlichen Charaktere sehr gut gefallen, denn sie haben mit ihren Geschichten dem Roman eine zusätzliche Tiefe verliehen. Niklas Natt och Dag hat mit Worten solch intensive Bilder gemalt, dass ich den Dreck der Stockholmer Gossen förmlich riechen konnte und bisweilen hatte ich dass Gefühl, die Sonne schafft es niemals sich einen Weg durch diese Düsternis zu bahnen. Eigentlich habe ich mit historischen Romanen nicht viel zu tun, meist, weil ich das Gefühl habe, die Zeiten werden verklärt und mystifiziert. Hier ist das überhaupt nicht der Fall. Der Autor beschreibt das Jahr 1793 schonungslos und entführt den Leser in eine Phase voller Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit und ich war beim Lesen unendlich froh im Jahr 2019 zu leben. Mich hat dieser Roman sehr begeistert, obwohl ich lange gebraucht habe diese intensive und packende Geschichte wieder loszulassen.   Vielen Dank an den Piper Verlag für dieses Rezensionsexemplar



                                              Autorenfoto von Niklas Natt och Dag, Copyright Gabriel Liljevall










Wer jetzt gerne selbst in diesen Roman hinein schnuppern möchte findet hier die Leseprobe

Montag, 2. April 2018

Rezension " Die letzte Stunde " von Minette Walters



  • Heyne Verlag
  • Hardcover
  • 654 Seiten
  • 2018
  • ISBN: 9783453271685
  • 22 Euro
Klappentext:
"Ein Schwarzer Tod hat unser Land befallen. Nur wenige werden verschont bleiben."

Südengland, Juli 1348: An der Küste ist die Pest ins Land gekrochen. Binnen kürzester Zeit entvölkert sie ganze Landstriche, Angst und Panik regieren. Allein Lady Anne, die Herrin von Develish, nimmt das Heft in die Hand. Sie bringt all ihre Schutzbefohlenen auf ihrem Anwesen in Sicherheit und lässt die Zugangsbrücke verbrennen. In ihrem kleinen Reich zählen nicht mehr gesellschaftliche Konvention und Rang, sondern Einsatz für die anderen. Als neuen Verwalter setzt Anne Thaddeus ein, den niedrigsten, aber klügsten ihrer Diener. Doch kann sich die Schicksalsgemeinschaft gegen die schreckliche Krankheit behaupten, die vor ihren Toren tobt? Gegen die Verzweifelten und Raffgierigen, die Develish angreifen? Werden die kargen Vorräte reichen? Dann geschieht ein grausamer Mord und droht Lady Annes Gemeinschaft endgültig zu zerreißen ...
(Quelle: Heyne Verlag)

Kurze Zusammenfassung:
Eleanor, die Tochter von Lady Anne und Sir Richard soll bald mit Lord Peter verheiratet werden. 
Um die Ehefähigkeit von Lord Peter zu prüfen und Eleanors Mitgift zu übergeben reist Sir Richard mit einem Troß aus 10 Reitern nach Bradmayne. 
Wie es Sir Richards Charakter entspricht besteht sein Aufenthalt in Bradmayne überwiegend aus ausschweifenden Gelagen. Gerade mal zum Gottesdienst schafft er es, ansonsten ist er für alles andere nie nüchtern genug.
So bekommt er nichts davon mit, was in der Umgebung von Bradmayne geschieht.
Auch sein Troß bekommt nichts mit, einzig Gyles ist aufmerksam genug um zu erkennen welches Unglück sich zusammenbraut.
Doch er wird nicht ernst genommen, da er der einzige "Bauer" unter dem berittenen Troß ist.
Erst als es schon zu spät ist erkennen Sir Richard und seine Begleiter, dass sie inmitten des Ausbruchs einer entsetzlichen Krankheit geraten sind.
Ihnen bleibt nur die eilige Flucht zurück nach Develish.
Auf dem Weg nach Hause durchqueren sie mittlerweile fast entvölkerte Landstriche, unfassbar, kamen sie doch erst vor kurzem, auf dem Hinweg, durch blühende Ortschaften, die nun wie tot da liegen.
Sir Richard und seine Männer sind auch nicht vor der Pest gefeit, als sie zu Hause ankommen ist ein großer Teil der Männer tot und Sir Richard schwer erkrankt.
Richards Frau, Lady Anne, hatte die Kunde von der Pest schon vor einigen Tagen erreicht und sie ergriff sofort Maßnahmen um die Bewohner von Develish zu schützen.
Alle Bewohner des Ortes wurden in die Burg geholt und der Zugang zur Burg. geschlossen. Noch nicht einmal der sterbende Ehemann darf hinein, er muss in einer Kate, gepflegt durch Gyles, sterben.
Lady Anne wuchs in einem Kloster auf und dort lernte sie, dass ein Isolieren des Kranken unabdingbar ist.
Ihr Handeln passt aber nicht jedem, so hat sie sich dadurch ihre Tochter Eleanor zur Feindin gemacht.
Als sie Hugh, den Verwalter, nach Sir Richards Tod, des Amtes enthebt und dafür den Knecht Thaddeus Thurkell einsetzt hat sie einen zweiten Feind.
Auch das Lady Anne es schafft viele der Bewohner vor der Pest zu schützen, stimmt ihre Feinde nicht milde.
Bald muss sich Anne nicht nur gegen die Pest, Eleanor und Hugh wehren, sondern auch noch gegen einen Mörder, der mit ihnen hinter den verschlossenen Türen der Burg lebt.....

Fazit:
Minette Walters kenne ich als Autorin vieler erstklassiger Krimis und das sie nun einen historischen Roman geschrieben hat, hat mich neugierig gemacht.
Ich habe das Buch fast verschlungen, leider musste ich es in zwei Etappen lesen, denn nach ca. 100 Seiten habe ich selbst eine schlimme Grippe bekommen und war deswegen nicht so empfänglich für eine Geschichte in der Menschen sehr an einem Infekt leiden.
Aber auch beim zweiten Anlauf hat mich das Buch sofort wieder gepackt.
Geschichte, wie auch die Protagonisten haben mir sehr gut gefallen. Die Figuren waren klar gezeichnet, sodass ich sofort wusste wen ich vor mir habe.
Sir Richard hat nicht arg so viele Auftritte, aber Minette Walters ist es trotzdem sehr gut gelungen ein Bild von einem egoistischen, herrischen Rüpel einzufangen. Sir Richard hat mit wenigen Worten einen einprägsamen Charakter bekommen.
So auch alle anderen Figuren. Sie mussten nicht langatmig beschrieben werden, sondern haben ihren Charakter in ihren Handlungen bekommen und in dem sie durch die Augen ihrer Mitmenschen beschrieben wurden.
Die Beschreibung des Zuges der Pest durch England ist auch sehr gut gelungen. Man weiß einfach nach dem Lesen worum es geht und wie die Pest es schaffen konnte ganze Landstriche leer zu fegen.
Aber es geht ja nicht nur um die Pest, es geht auch um die Rolle der Frau im Mittelalter und um die Bedeutung einer gewissen Bildung.
Lady Anne muss in einer von Männern dominierten Welt die Führung übernehmen und für die ihr Anvertrauten das Beste entscheiden. Auch gegen den Willen von Männern, die meinen auch ein Recht auf die Führungsposition zu haben.
Lady Anne ist gebildeter als ihre Schützlinge und hat es auch nicht versäumt den Menschen von Develish den Zugang zu Bildung zu eröffnen.
Dadurch sind die Menschen auf der Burg geschützter als in anderen Ortschaften.
Anweisungen werden als sinnvoll erkannt, begriffen und umgesetzt und ihre Vertrauten sind durch ihre Bildung auch in der Lage eigenständig gute Entscheidungen zu treffen.
Das retten vielen das Leben und auch im restlichen Land hätten viel mehr Menschen überlebt, wenn ihnen der Zugang zu bestimmten Zusammenhängen ermöglicht worden wäre.
Damit ist Lady Anne aber nicht nur eine "Retterin" sondern sie ist auch für die bestehende Ordnung gefährlich.
Der Roman ist also wesentlich vielschichtiger als man im ersten Augenblick meint und das hat mir richtig Spaß gemacht.
Ich finde Minette Walters ist dieser historische Roman wirklich gelungen.