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Dienstag, 29. März 2022

"Finsterhaus" von Johanna Mo


 


  • Hanna Duncker Bd.2
  • Heyne Verlag
  • Broschiertes Buch
  • Seitenzahl: 494
  • Erscheinungstermin: 8. März 2022
  • ISBN: 9783453425811
  • 15,00 Euro

Klappentext:
Eine Insel sucht einen Mörder und ein entführtes Kind

Hanna Duncker ist noch völlig vertieft in die Ermittlungsakte ihres Vaters, als sie der verzweifelte Anruf von Jenny Ahlström erreicht: Jennys Mann und ihr vierzehn Monate alter Sohn sind spurlos verschwunden. Ganz Öland beteiligt sich an einer groß angelegten Suchaktion, während Hanna und ihr Kollege Erik Lindgren nach einem Motiv im Leben des vermissten Vaters fahnden. Eine Spur führt schließlich in ein leer stehendes Haus. Liegt hier der Schlüssel zum Fall? Für Hanna beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Und es gibt noch ein Rätsel, das sie lösen muss: Warum versucht jemand mit aller Macht zu verhindern, dass sie endlich die Wahrheit über ihren eigenen Vater herausfindet?
(Quelle: Heyne Verlag)

Inhalt:

Nachdem sich Hanna Duncker jahrelang von ihrem Vater und seinem Verbrechen distanzierte, möchte sie nun doch herausfinden, was ihren Vater antrieb, welches die genauen Motive und Hintergründe seiner Tat waren.
Je tiefer sie aber in die Ermittlungsakte eintaucht und je mehr sie mit Menschen spricht, die mit ihrem Vater zu tun hatten, desto unklarer scheint der Fall.
Hanna möchte nun eigentlich auf eigene Faust den Fall aufrollen, aber sie wird mit der Suche zweier vermisster Menschen beauftragt.
Thomas Ahlström und sein 14monatiger Sohn Hugo sind verschwunden.
Auf den ersten Blick leben die Ahlströms eine typische Familienidylle, doch schon nach kurzer Zeit bekommt die Fassade Risse.
Der hingebungsvolle Familienvater, der sich erst spät zu einem Kind entschloss, hat Geheimnisse.
Doch bevor Hanna Duncker herausfinden kann ob Thomas Ahlström vor seinen Geheimnissen floh, wird seine Leiche gefunden.
Hugo jedoch bleibt verschwunden ....


Fazit:
Herrlich skandinavisch und eine perfekte Fortsetzung der Reihe.
Die Reihe um Hanna Duncker dreht sich um den Mord, den ihr Vater begangen haben soll, diese Tat läuft aber nicht als Hauptstrang im Vordergrund sondern läuft im Hintergrund, als roter Faden mit.
Im Vordergrund steht hier der Tod von Thomas Ahlström und die Suche nach Hugo.
Der Leser fährt also sozusagen "zweigleisig", löst den aktuellen Fall und dringt immer tiefer in die Geheimnisse um ein altes Verbrechen.
Die Story spielt sich innerhalb einer Woche ab und in dieser Woche wird das Bild der heilen, kleinen Familie Ahlström, wie es noch auf den ersten Seiten existierte, demontiert und der Leser stürzt in eine Schlangengrube aus Geheimnissen, Lügen und potentiellen Verdächtigen.
Mir hat die Enthüllung der Person des Thomas Ahlström richtig Spaß gemacht.
Auch die Wege, die Johanna Mo gewählt hat, um die Ermittler mit Informationen zu versorgen fand ich sehr gelungen.
Einzelne Situationen werden teilweise aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, z.B. durch Filmaufnahmen, die eine nette Zeit auf einem Spielplatz zeigen, Thomas Erinnerungen und eigene Interpretation der Bilder und die Wahrnehmung von Zeugen.
Recht schnell zeigt sich so, es ist nichts so wie es scheint.
Die schöne Zeit auf dem Spielplatz ist schon von Thomas  Schicksal überschattet, die Mutter sieht jedoch nur ein glückliches Kind mit seinem Vater, ihrem Mann.
Ich fand es sehr spannend, nach und nach dahinter zu kommen, was mit Thomas los ist/war und welche Geheimnisse auf der wunderschönen Insel Öland lauerten.
"Finsterhaus" ist der zweite Band einer Reihe, kann aber durchaus als Einzelgänger gelesen werden.
Die Informationen, Hannas Vater betreffend, die im ersten Band erzählt wurden, fehlen hier nicht oder nur am Rande und tun der Spannung keinen Abbruch.



Sonntag, 10. Oktober 2021

"Schach mit dem Tod" von Steffen Jacobsen


 

  • Heyne Verlag
  • Gebundenes Buch
  • Seitenzahl: 448
  • Erscheinungstermin: 9. August 2021
  • ISBN-13: 9783453272019
  • 22,00 Euro

Klappentext:
Ein Spion zwischen den Fronten zweier Supermächte

Los Alamos, USA, 1945: Der Elektroingenieur David Adler stößt zum Manhattan-Projekt, in dessen Rahmen an einer revolutionären neuen Waffe gearbeitet wird. Als Verwandter von Niels Bohr gewinnt er schnell das Vertrauen des großen Forschers und wird sein persönlicher Assistent. Was niemand wissen darf: David spioniert gezwungenermaßen für die Sowjetunion. Mit Grauen verfolgt er die Entwicklung der Atombombe, deren Erprobung immer näher rückt. Doch für Moral ist kaum Zeit. Seine geheimen Auftraggeber werden ungeduldig. Und David ist nicht der Einzige mit einer eigenen Agenda.
(Quelle: Heyne Verlag)


Inhalt:
David Adler entkam den Tod im kalten Atlantik nur knapp und fristet nun sein Dasein in einer Pension für Geflüchtete und Veteranen. Mit angeschlagener Gesundheit und kaum finanziellen Mitteln gelingt es ihm nicht aus dieser Ansammlung armer und gescheiteter Existenzen zu flüchten.
Eines Tages tauchen unvermittelt Agenten des Geheimdienstes auf und überprüfen David.
Davids Onkel, Niels Bohr, hat seinen Neffen als persönlichen Assistenten angefordert.
Bohr, ein exzentrischer aber genialer Wissenschaftler, ist mit einer Geheimaufgabe betraut und David soll ihn dabei unterstützen.
Von einem auf den anderen Tag wird David in eine vollkommen andere Welt katapultiert. Statt in einer Pension mit versehrten Veteranen bewegt er sich nun in einer Welt eloquenter Wissenschaftler, tödlicher Waffen und unaussprechlicher Geheimnisse.
Doch David hat selbst Geheimnisse ....


Fazit:
Steffen Jacobsen ist mir als hervorragender Krimiautor gut bekannt und ich bin großer Fan seiner skandinavischen Thriller.
Deswegen war ich sehr gespannt, wie Jacobsen eine Geschichte angeht, die zum einen historische Hintergründe hat und zum anderen kein skandinavischer Thriller ist.
Was soll ich sagen? Er hat seine Aufgabe erstklassig gemeistert und einen Roman geliefert, der den Romanen von Robert Harris das Wasser reichen kann.
Mich hat unheimlich fasziniert, dass die Personen die die Atombombe entwickelten für mich menschliche Züge und eine Persönlichkeit bekamen.
Natürlich sind viele Personen im Roman fiktive Figuren und auch die historischen Personen bekamen eine Persönlichkeit, die von Jacobsen ausgearbeitet wurde, doch vor dem Roman waren die Menschen, die die Atombombe entwickelten leere Namen für mich. Namen ohne persönlichen Bezug, ohne Charakter und ohne Persönlichkeit.
Während des Lesens bekamen die Wissenschaftler Menschlichkeit eingehaucht und ich spürte ihre Visionen und auch ihre Sorgen und Ängste.
(Die natürlich auch größtenteils fiktiv sind, aber das Begreifen erleichtert)
Deswegen trat Davids eigene Agenda für mich lange in den Hintergrund, ich war eher daran interessiert hinter den Entwicklern einer der schrecklichsten Waffen der Erde die Menschen zu erkennen.
Das hat auch richtig gut geklappt und ich fühle mich ein Stück weit bereichert, weil ich ein Kapitel der Geschichte noch mal auf einer ganz anderen Ebene verfolgen konnte.
Der Roman hat mich gefesselt, aber weniger als Spionagethriller, sondern vielmehr als Einblick in die neuere Geschichte und die letzten Tage des zweiten Weltkrieges.


Donnerstag, 25. März 2021

Rezension "Zeitflut" von Will McCarthy

 




  • Heyne Verlag
  • Broschiertes Buch
  • Seitenzahl: 445
  • Erscheinungstermin: 8. März 2021
  • ISBN: 9783453320765
  • 14,99 Euro


Klappentext:
Was wissen wir eigentlich über die Steinzeit? Nur das, was uns die archäologischen Funde offenbaren. Doch was, wenn die Legende vom Höhlenmenschen nicht mehr ist als - eine Legende? Wenn die Steinzeit stattdessen ein Zeitalter der Bildung und des Fortschritts gewesen wäre? Den beiden Wissenschaftlern Harv Leonel und Tara Mukherjee ist eine bahnbrechende Entdeckung gelungen, eine Entdeckung, die es den Menschen ermöglicht, die Vergangenheit mit eigenen Augen zu sehen. Doch die alte Welt ist in Gefahr, und wenn es Harv und Tara nicht gelingt, sie zu retten, ist das Erbe der Menschheit für immer verloren ...
(Quelle: Heyne Verlag)


Inhalt:
Harv Leonel hat entdeckt, dass eines unserer Chromosomen ein gigantischer Datenspeicher ist. Hier ist die Geschichte des Individuum gespeichert, aber auch die Geschichte der Menschheit.
Um diesen Speicher auszulesen, entwickelte Harv eine Mischung aus Lesegerät und Zeitmaschine, das die gespeicherten Informationen Les- und Erfahrbar macht.
Harv ist auch der erste Proband, im Selbstversuch erprobt er seine Erfindung.
Im zweiten Anlauf befindet sich Harvs Bewusstsein in einer unbekannten Zeit und unbekannten Kultur. Es ist die Zeit der Sintflut doch die Sintflut ist noch lange nicht das Ende der Reise ....


Fazit:
Mich hat die Beschreibung des Klappentextes fasziniert und ich war sehr gespannt, wie der Autor die Idee umsetzt.
Ich finde Will McCarthy hat das ziemlich geschickt hinbekommen. Es werden keine virtuellen Reisen unternommen, oder gar eine physische Reise, sondern es beschränkt sich auf "Kopfkino".
Das Bewusstsein von Harv reist an die Orte, die auf seinem Y-Chromosom gespeichert sind.
Der Mensch, bzw. die Frau besitzt einen "Datenspeicher", in dem das "Woher"  abzulesen ist. Es sind die Mitchondrien. Männer haben keine Mitochondrien, deswegen musste Will McCarthy den Speicher auf ein Chromosom legen, das auch im männlichen Körper verfügbar ist, denn seine Hauptfigur ist ein Mann.
Die Idee an sich ist sehr faszinierend. Was wäre, wenn die Geschichten unserer Ahnen wirklich abrufbar, lesbar wären? Wenn wir in die Zeit und an die Orte reisen könnten, die im Leben unserer Ahnen eine Rolle spielten?
Harv kann es und es zieht ihn immer tiefer in die Erdgeschichte hinein.
Diese "Wanderung" durch die Geschichte passiert in Form lebendiger Beschreibungen von Harvs Erlebnissen. Insgesamt sind es vier geschichtliche Episoden, die Harv "bereist".
Hier hat mir die erste Episode am besten gefallen. Sie spielt um die Zeit der Sintflut und mutet wie eine bunte historische Geschichte an.
Die nächsten Episoden führen Harv zu den Neandertalern und noch weiter zurück.
Für mich war "Zeitflut" eine gelungene Umsetzung des Themas "Zeitreise".
Anders als erwartet, aber die Beschreibungen und Geschichten der Ur- und Vorzeiten haben mir sehr gut gefallen.

Dienstag, 9. Februar 2021

Rezension "Tom Clancy - Im Visier des Feindes" von Mike Maden

 




  • Jack Ryan Bd. 24
  • Heyne Verlag
  • Hard Cover
  • Seitenzahl: 478
  • Erscheinungstermin: 11. Januar 2021
  • ISBN-13: 9783453273054
  • 23,00 Euro


Klappentext:
In Sarajevo trifft Jack Ryan jr. Aida wieder - das Mädchen, dessen Augenlicht Ryans Mutter vor fünfundzwanzig Jahren im Krieg gerettet hat. In ihrer Heimat braut sich erneut ein Krieg zusammen, und Jack will Aida beistehen. Dabei muss er sich nicht nur mit der serbischen Mafia herumschlagen, sondern auch mit Attentätern des geheimnisvollen Eisernen Syndikats.Etwas sagt ihm, dass er es hier mit mehr zu tun hat als mit lokalen Reibereien: Im schlimmsten Fall können die Konflikte im Balkan zu einem neuen Weltkrieg führen. Also trotzt er der Anweisung, sich zurückzuziehen, stellt sich dem Feind allein - und bringt dadurch Aida in Gefahr.
(Quelle: Heyne Verlag)


Inhalt:
Der "Campus", eine private geheimdienstliche Organisation fordert die Dienste von Jack Ryan an und die Reise soll in das ehemalige Jugoslawien gehen. Ryans Mutter, die nichts von der Campus-Organisation ahnt, bittet Jack nach einer ehemaligen Patientin zu sehen. Als junge Ärztin behandelte Jacks Mutter im Bosnienkrieg die dreijährige Aida Curic.
Eigentlich wollte Jack nur nach Slowenien, aber begibt sich nun auch nach Sarajewo um Aida ausfindig zu machen.
In Aida findet er allerdings nicht nur das kleine Mädchen, dass von seiner Mutter geheilt wurde, sondern auch eine erwachsene Frau, die sein Herz zutiefst berührt.
Während Jack Ryan versucht Ordnung in seine Gefühle zu bringen braut sich rund um ihn herum der nächste mögliche Krieg zusammen.
In Bosnien treffen nicht nur verschiedenen Ethnien aufeinander die sich die Kriegsgräuel immer noch nicht verzeihen können, hinter den verschiedenen Ethnien stehen auch mächtige Verbündete die Bosnien als Tor nach Europa nutzen möchten.
Jetzt muss Jack in dem fremden Land nicht nur die Frau schützen, die seinHerz eroberte, sondern auch einen neuen Flächenbrand auf dem Balkan verhindern ...


Fazit:
Jack Ryan, der wohlerzogene Sohn des Präsidenten der USA und sozusagen der amerikanische James Bond ist ein Garant für vergnügliche Stunden mit viel BumBum und HauDrauf.
In diesem Thriller verliebt sich Jack Ryan. Amouröse Verhältnisse sind jetzt nicht so selten bei Ryan, aber tiefe Verliebtheit hat schon eine Sonderstellung. Diese Sonderstellung nutzte der Autor Mike Maden um die Romantikkiste einmal so richtig zu öffnen und der Reihe einen ganz neuen Touch zu verleihen.
Ich fand es interessant Jack Ryan einmal von dieser Seite kennen zu lernen, aber für zukünftige Thriller wünsche ich mir doch wieder den Schwerpunkt auf der altvertrauten Action.
Besonders gut hat mir die Auseinandersetzung mit der momentanen Situation in Bosnien gefallen.
Bosnien ist für viele ein weißer Fleck auf der Landkarte, vielleicht kennen es manche sogar nur über asylsuchende Bosnier.
In Bosnien-Herzegowina leben Bosniaken, Kroaten und Serben und diese drei Volksgruppen haben wenig Berührungspunkte entwickeln können.
Diese Volksgruppen haben versucht ein politisches System zu schaffen in dem jede Gruppe die gleichen Möglichkeiten hat die eigenen Interessen zu vertreten. So wechselt zum Beispiel der Vorsitz des Staatspräsidiums  seit 1998 alle acht Monate zwischen den drei Volksgruppen. Insgesamt ist das bosnische Regierungssystem eines der kompliziertesten der Erde, sichert aber bisher den Frieden zwischen den Volksgruppen.
Hinter den Volksgruppen stehen allerdings Verbündete die großes Interesse an dem kleinen Balkanland haben. Der Verbündete der serbischen Volksgruppe ist Russland und die Bosniaken erleben eine große Förderung durch Saudi Arabien.
Das sind jetzt reale Fakten, die sich aber auch so im Roman wiederfinden.
Mir hat es, wie schon gesagt, sehr gut gefallen, dass Bosnien-Herzegowina eine tragende Rolle in dem Roman spielt, denn die Wunde aus dem Bosnienkrieg ist noch lange nicht verheilt und im Hintergrund schwelen starke Spannungen.
Aber so trocken und politisch, wie ich es hier beschreibe ist es in dem Thriller natürlich nicht, in "Im Visier des Feindes" gibt es wirklich genug Spannung und Action um richtig gut unterhalten zu werden.

Sonntag, 18. Oktober 2020

Rezension "55 - Jedes Opfer zählt" von James Delargy


 


  • Heyne Verlag
  • Broschiertes Buch
  • 414 Seiten
  • Erscheinungstermin: 12. Oktober 2020
  • ISBN: 9783453272187
  • 9,99 Euro

Klappentext:Wer ist Killer, wer ist Opfer? Eine Kleinstadt jagt einen Serienmörder.

Eine Kleinstadt im australischen Outback. Glühende Hitze. Wildnis. Police Sergeant Chandler ist stolz darauf, für Ruhe und Sicherheit zu sorgen. Bis ein Mann im Revier auftaucht. Außer Atem. Blutüberströmt. Er erzählt von einem Serienmörder namens Heath, dem er entkommen sei. Chandler bringt den Fremden in Sicherheit. Doch bevor er sich auf die Suche nach dem Mörder machen kann, wird Chandler ins Revier gerufen: Ein Mann ist dort aufgetaucht, der sich Heath nennt. Außer Atem. Blutüberströmt. Er erzählt von einem Serienmörder, dem er entkommen sei ...
(Quelle: Heyne Verlag)


Inhalt:
Police Sergeant Chandler ist Chief einer kleinen Polizeistation mitten im australischen Outback. Gerade mal 1000 Einwohner zählt die Kleinstadt und das einzige was hier passiert ist: Nichts.
Eines Tages erscheint in Mann auf der Polizeistation, blutend, mit Fesselspuren und einer haarsträubenden Geschichte im Gepäck. Gabriel, so nennt er sich, erzählt, er wurde von einem Mann Namens Heath gefangen genommen und er sollte zu Heaths 55. Opfer werden.
Die Geschichte, die Gabriel erzählt, entsetzt Chandler und er bringt Gabriel, zu seinem eigenen Schutz, im örtlichen Hotel unter.
Kaum ist Chandler zurück in der Polizeistation scheint sich die Geschichte zu wiederholen: ein Mann taumelt blutend in die Station. Er besitzt eindeutige Fesselspuren und behauptet ein Mann namens Gabriel wäre ein Serienkiller und möchte ihn, Heath, zu seinem 55. Opfer machen.
Chandler will Gabriel sofort zurück zur Station holen, doch mittlerweile ist Gabriel ungesehen aus dem Hotel geflohen.
Gabriel und Heath erzählen identische Geschichten, der Mörder ist allerdings jeweils der andere der beiden Männer.
Da es um 54 Opfer geht, informiert Chandler die nächsthöhere Behörde und diese schickt Verstärkung.
Diese Verstärkung erscheint in Form von Mitch, Chandlers ehemaligen besten Freund, doch Mitch ist nicht mehr Chandler Freund, im Gegenteil, Mitch gibt sich alle Mühe zu Chandler besten Feind zu werden.
Nichtsdestotrotz ermittelt Chandler so gut er kann und so viel er darf ... und sogar ein bißchen mehr, er macht den flüchtenden Gabriel sogar schneller dingfest als Mitch mit seinem Trupp.
Mit Hilfe von Gabriel entdeckt die Polizei 6 Gräber mit Leichen, alle wurden erdrosselt.
Doch wer ist der Mörder? Heath oder Gabriel? Oder gibt es einen unbekannten Dritten?


Fazit:
Bestes Thrillerdebüt in 2020.
Bester Thriller in 2020.
Finde ich!
Die Story von Heath und Gabriel, die beide ehrlich wie auch undurchsichtig und schuldig erscheinen, ist intelligent und absolut schlüssig erzählt. Auf jeder Seite schwankte ich zwischen beiden Verdächtigen, ohne mich wirklich auf einen festlegen zu können. Chandler und Mitch sind da schneller, beide haben ihren Verdächtigen und versuchen seine Schuld zu beweisen.
In Rückblicken wird die gemeinsame Geschichte von Mitch und Chandler erzählt. Als junge Polizisten suchten sie wochenlang im Outback nach einem verschwundenen Heranwachsenden.
Diese Geschichte wird auch während der Ermittlungen um den aktuellen Serienmord immer wieder hochgespült. Zumindest in Chandler. Allerdings macht auch Gabriel seltsame Bemerkungen um verschwundene Menschen und der Intensität der Suchaktionen ...
Neben den Bilder von Gut und Böse die Heath und Gabriel ausfüllen, bedienen sich auch Mitch und Chandler dieser Elemente. Mitch ist eindeutig der Böse und Chandler der Gute und beide reiben sich entsprechend aneinander, doch Mitch hat einen unschlagbaren Trumpf im Ärmel: er ist mit Chandler Ex-Frau zusammen und beide wollen Chandler die Kinder wegnehmen.
Man sieht, die Story ist pickepackevoll mit Spannung und Schauplätzen
Ich fand das Buch megaspannend und richtig, richtig packend.
Selten habe ich einen so schlüssigen und gut konstruierten Thriller gelesen, der von vorne bis hinten nicht eine Sekunde langweilig war und einfach tolles Lesevergnügen bot.

Sonntag, 27. Januar 2019

Rezension "Das Schweigemädchen" von Elisabeth Norebäck




  • Heyne Verlag
  • Broschiertes Buch
  • Skandinavischer Thriller
  • 477 Seiten
  • Erscheinungstermin: 14. Januar 2019
  • ISBN: 9783453422803
  • 12,99 Euro


Klappentext:
Deine Tochter verschwindet als Baby. Würdest du sie 20 Jahre später wiedererkennen?

Für einen kurzen Moment ist Stella unaufmerksam, in diesem Augenblick verschwindet ihre kleine Tochter Alice spurlos. Die Ermittlungen werden aufgenommen, Alice wird jedoch nie gefunden. Spuren weisen darauf hin, dass sie ertrunken ist, woraufhin sie für tot erklärt wird. Zwanzig Jahre später hat Stella ihr Leben wieder im Griff. Sie arbeitet als Psychotherapeutin und hat eine neue Familie. Als eines Tages eine junge Frau in ihre Sprechstunde kommt, wird Stella von einer Panikattacke übermannt. Sie ist überzeugt, dass es sich bei der jungen Frau um ihre tot geglaubte Tochter handelt. Die Begegnung ist der Auftakt einer gefährlichen Reise in die Vergangenheit. Stella will um jeden Preis herausfinden, was damals wirklich geschehen ist. Ist sie auf dem besten Wege verrückt zu werden oder soll sie ihrem Instinkt vertrauen?
(Quelle: Heyne Verlag)


Kurze Zusammenfassung:
Stellas Tochter Alice verschwand vor 20 Jahren. Alice war noch ein Baby als in einem unaufmerksamen Moment scheinbar der Kinderwagen umfiel und Alice in einem See ertrank.
Alice hat ein Grab und gilt als tot, doch ihren Körper hat man nie gefunden.
Stella brauchte sehr lange um über diesen Verlust hinwegzukommen und nun verdrängt sie ihn. Sie hat nie nach anderen Möglichkeiten gesucht, obwohl sie immer wieder mit dem Gedanken spielte, dass Alice noch am Leben sein könnte.
Stella hat nie nach Alice gesucht, sie musste vielmehr hart daran arbeiten ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Nun ist Stella in ihrem Leben angekommen. Mit ihrem Mann hat sie einen Sohn, die Ehe ist glücklich und als Therapeutin ist Stella erfolgreich.
Eines Tages erscheint Isabella, eine neue Patientin, in Stellas Praxis und Stella gerät schlagartig in eine Panikattacke.
Stella erkennt in der jungen Frau ihre Tochter. Das Alter, die Lachgrübchen, ein unverwechselbar spitzes "Elfenohr", alles passt.
Nach vielen Jahren der Ruhe beschäftigt sich Stella nun mit dem Verschwinden ihrer Tochter, liest ein altes Tagebuch und sucht den Ort des Verschwindens wieder auf. Das alles setzt Stella sehr zu, sie bekommt wieder Panikattacken und hat das Gefühl beobachtet zu werden.
Dann liegt auch noch ihre eigene Todesanzeige in ihrem Briefkasten und immer wieder begegnet sie Isabella.
Stella spürt, dass Isabella ihr begegnen will, dass nicht nur eine depressive Verstimmung Isabella in Stellas Praxis brachte.
Doch was will Isabella und ist sie wirklich Stellas tot geglaubte Tochter?


Fazit:
Die Geschichte wird wechselweise aus Stellas, Isabellas und Kerstins Sicht erzählt. So kennt der Leser den jeweiligen Zustand der Protagonisten. Allen dreien geht es nicht gut und jede dieser Frauen hat ihre ganz persönliche Einsamkeit.
Einsamkeit die zum Teil aus ihren Wesen resultiert aber ganz besonders aus ihren Geschichten.
Stella und Isabella umkreisen sich, begegnen sich immer wieder ohne sich jedoch wirklich zu begegnen. Der Leser erfährt sehr schnell, dass Isabella ein Ziel hat, welches bleibt aber erst einmal im Verborgenen. Für Stella ist Isabella ihre tot geglaubte Tochter Alice. Stella hat wenig Zweifel und die Zeit des Verdrängens ist für Stella nun vorbei. Sie begibt sich aktiv auf die Suche nach Alice, nach dem was damals geschah. Je mehr sie sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt, desto näher kommt Isabella und desto dichter wird die Geschichte.
Stellas Suche nach der Wahrheit stürzt sie in einen psychischen Albtraum in dem ihr nicht immer klar ist, was Wirklichkeit ist und was sie einfach nur so sehen will. Doch manches kommt der Wahrheit gefährlich Nahe, denn um Stella braut sich eine Bedrohung zusammen, die auch vor Milo, Stellas Sohn, nicht Halt macht. 
Dem Leser wird aber nicht so schnell verraten von wem die Bedrohung ausgeht, wessen Spuren nicht gefunden werden wollen.
Anfangs besteht die Geschichte aus den losen Fäden der Leben zweier Frauen die sich begegnen, dann verknüpfen sich die Fäden und das Gewebe wird immer dichter, gleichzeitig werden die Kapitel in denen aus Sicht der verschiedenen Frauen erzählt wird, immer kürzer, dass Erzähltempo nimmt zu.
Die Zeit der langen Rückschauen und des Erinnerns ist vorbei und Stella muss die losen Enden selbst in die Hand nehmen und erkennen wo sich die Fäden verknoten.
Stella weiß und weiß doch nicht, der Leser weiß und weiß doch nicht und so spielt Elisabeth Norebäck Katz und Maus mit der Protagonistin und dem Leser.
Mir hat das Buch richtig, richtig gut gefallen und als Fan skandinavischer Krimis hat mich dieser Thriller sehr gut unterhalten.

Vielen Dank an den Heyne Verlag für dieses Rezensionsexemplar



Montag, 2. April 2018

Rezension " Die letzte Stunde " von Minette Walters



  • Heyne Verlag
  • Hardcover
  • 654 Seiten
  • 2018
  • ISBN: 9783453271685
  • 22 Euro
Klappentext:
"Ein Schwarzer Tod hat unser Land befallen. Nur wenige werden verschont bleiben."

Südengland, Juli 1348: An der Küste ist die Pest ins Land gekrochen. Binnen kürzester Zeit entvölkert sie ganze Landstriche, Angst und Panik regieren. Allein Lady Anne, die Herrin von Develish, nimmt das Heft in die Hand. Sie bringt all ihre Schutzbefohlenen auf ihrem Anwesen in Sicherheit und lässt die Zugangsbrücke verbrennen. In ihrem kleinen Reich zählen nicht mehr gesellschaftliche Konvention und Rang, sondern Einsatz für die anderen. Als neuen Verwalter setzt Anne Thaddeus ein, den niedrigsten, aber klügsten ihrer Diener. Doch kann sich die Schicksalsgemeinschaft gegen die schreckliche Krankheit behaupten, die vor ihren Toren tobt? Gegen die Verzweifelten und Raffgierigen, die Develish angreifen? Werden die kargen Vorräte reichen? Dann geschieht ein grausamer Mord und droht Lady Annes Gemeinschaft endgültig zu zerreißen ...
(Quelle: Heyne Verlag)

Kurze Zusammenfassung:
Eleanor, die Tochter von Lady Anne und Sir Richard soll bald mit Lord Peter verheiratet werden. 
Um die Ehefähigkeit von Lord Peter zu prüfen und Eleanors Mitgift zu übergeben reist Sir Richard mit einem Troß aus 10 Reitern nach Bradmayne. 
Wie es Sir Richards Charakter entspricht besteht sein Aufenthalt in Bradmayne überwiegend aus ausschweifenden Gelagen. Gerade mal zum Gottesdienst schafft er es, ansonsten ist er für alles andere nie nüchtern genug.
So bekommt er nichts davon mit, was in der Umgebung von Bradmayne geschieht.
Auch sein Troß bekommt nichts mit, einzig Gyles ist aufmerksam genug um zu erkennen welches Unglück sich zusammenbraut.
Doch er wird nicht ernst genommen, da er der einzige "Bauer" unter dem berittenen Troß ist.
Erst als es schon zu spät ist erkennen Sir Richard und seine Begleiter, dass sie inmitten des Ausbruchs einer entsetzlichen Krankheit geraten sind.
Ihnen bleibt nur die eilige Flucht zurück nach Develish.
Auf dem Weg nach Hause durchqueren sie mittlerweile fast entvölkerte Landstriche, unfassbar, kamen sie doch erst vor kurzem, auf dem Hinweg, durch blühende Ortschaften, die nun wie tot da liegen.
Sir Richard und seine Männer sind auch nicht vor der Pest gefeit, als sie zu Hause ankommen ist ein großer Teil der Männer tot und Sir Richard schwer erkrankt.
Richards Frau, Lady Anne, hatte die Kunde von der Pest schon vor einigen Tagen erreicht und sie ergriff sofort Maßnahmen um die Bewohner von Develish zu schützen.
Alle Bewohner des Ortes wurden in die Burg geholt und der Zugang zur Burg. geschlossen. Noch nicht einmal der sterbende Ehemann darf hinein, er muss in einer Kate, gepflegt durch Gyles, sterben.
Lady Anne wuchs in einem Kloster auf und dort lernte sie, dass ein Isolieren des Kranken unabdingbar ist.
Ihr Handeln passt aber nicht jedem, so hat sie sich dadurch ihre Tochter Eleanor zur Feindin gemacht.
Als sie Hugh, den Verwalter, nach Sir Richards Tod, des Amtes enthebt und dafür den Knecht Thaddeus Thurkell einsetzt hat sie einen zweiten Feind.
Auch das Lady Anne es schafft viele der Bewohner vor der Pest zu schützen, stimmt ihre Feinde nicht milde.
Bald muss sich Anne nicht nur gegen die Pest, Eleanor und Hugh wehren, sondern auch noch gegen einen Mörder, der mit ihnen hinter den verschlossenen Türen der Burg lebt.....

Fazit:
Minette Walters kenne ich als Autorin vieler erstklassiger Krimis und das sie nun einen historischen Roman geschrieben hat, hat mich neugierig gemacht.
Ich habe das Buch fast verschlungen, leider musste ich es in zwei Etappen lesen, denn nach ca. 100 Seiten habe ich selbst eine schlimme Grippe bekommen und war deswegen nicht so empfänglich für eine Geschichte in der Menschen sehr an einem Infekt leiden.
Aber auch beim zweiten Anlauf hat mich das Buch sofort wieder gepackt.
Geschichte, wie auch die Protagonisten haben mir sehr gut gefallen. Die Figuren waren klar gezeichnet, sodass ich sofort wusste wen ich vor mir habe.
Sir Richard hat nicht arg so viele Auftritte, aber Minette Walters ist es trotzdem sehr gut gelungen ein Bild von einem egoistischen, herrischen Rüpel einzufangen. Sir Richard hat mit wenigen Worten einen einprägsamen Charakter bekommen.
So auch alle anderen Figuren. Sie mussten nicht langatmig beschrieben werden, sondern haben ihren Charakter in ihren Handlungen bekommen und in dem sie durch die Augen ihrer Mitmenschen beschrieben wurden.
Die Beschreibung des Zuges der Pest durch England ist auch sehr gut gelungen. Man weiß einfach nach dem Lesen worum es geht und wie die Pest es schaffen konnte ganze Landstriche leer zu fegen.
Aber es geht ja nicht nur um die Pest, es geht auch um die Rolle der Frau im Mittelalter und um die Bedeutung einer gewissen Bildung.
Lady Anne muss in einer von Männern dominierten Welt die Führung übernehmen und für die ihr Anvertrauten das Beste entscheiden. Auch gegen den Willen von Männern, die meinen auch ein Recht auf die Führungsposition zu haben.
Lady Anne ist gebildeter als ihre Schützlinge und hat es auch nicht versäumt den Menschen von Develish den Zugang zu Bildung zu eröffnen.
Dadurch sind die Menschen auf der Burg geschützter als in anderen Ortschaften.
Anweisungen werden als sinnvoll erkannt, begriffen und umgesetzt und ihre Vertrauten sind durch ihre Bildung auch in der Lage eigenständig gute Entscheidungen zu treffen.
Das retten vielen das Leben und auch im restlichen Land hätten viel mehr Menschen überlebt, wenn ihnen der Zugang zu bestimmten Zusammenhängen ermöglicht worden wäre.
Damit ist Lady Anne aber nicht nur eine "Retterin" sondern sie ist auch für die bestehende Ordnung gefährlich.
Der Roman ist also wesentlich vielschichtiger als man im ersten Augenblick meint und das hat mir richtig Spaß gemacht.
Ich finde Minette Walters ist dieser historische Roman wirklich gelungen.