Samstag, 18. Juni 2011

Rezension: Die Sopranistin von Jörg Thadeusz




ISBN: 978-3-462-04262-7
288 Seiten, Broschur
Euro 14,95

Kiepenheuer & Witsch

Klappentext:
Bei der Aftershow-Party anlässlich der Verleihung des Bruno-Fernsehpreises detoniert eine Bombe. Drei Menschen sterben, über 250 werden verletzt. Die Presse liefert schreckliche Bilder, und nicht nur die anwesenden Promis, sondern die ganze Nation ist entsetzt: Ist das der Terroranschlag der Islamisten, vor dem in Deutschland so lange gewarnt wurde?
(Quelle: Verlag)

Zusammenfassung:
Hanna ist mit diversen Aufgaben anlässlich der "Bruno"-Verleihung beauftragt.
Gerade als sie neben einem Prominenten steht und beginnt den Abend doch noch zu genießen, detoniert eine Bombe.
Den prominenten Mann, der ihr gerade etwas zu trinken holen wollte, gibt es nun nicht mehr und Hannas nächste Erinnerung ist ihr Erwachen im Krankenhaus.
Gerade erwacht wird sie auch schon verhört.
Fabian, der Mann in den sie verliebt ist, wird verdächtigt etwas mit dem Anschlag zu tun zu haben.

Georg, deutscher Friseur in Washington fliegt zurück nach Deutschland.
Sein Onkel, der ihn großzügig unterstützte ist gestorben und Georg ist sich nicht sicher ob er zurück in die Staaten geht.
Seine Schuldenlast dort ist zu groß und nun gibt es ja auch keinen Onkel mehr...
Im Flugzeug lernt er die Sopranistin Sofia kennen.
Um ihr zu gefallen, nimmt er ein Päckchen von ihr mit.
Was in diesem Päckchen ist, weiß er nicht, es ist angeblich für Sofias Oma bestimmt ....

Anna, aus reichem Haus, wohnt mit Hanna zusammen.
Sie verbirgt ihre Herkunft und alle halten sie für eine normale Studentin.
Anna hat auch einen Faible für Fabian, doch auch das verbirgt sie.

Carlo wollte eigentlich ein Date mit einer Blondine aus dem Baumarkt dingfest machen, als er zu einem dringenden Einsatz gerufen wird, der ihn für Tage in eine andere Welt stürzen wird.
Als kleiner Polizist hat er auf einmal mit Terroristen zu tun und gerät auch noch in einen Undercovereinsatz.

Sofia bereitet sich auf einen Auftritt anlässlich der Eröffnung der Berliner Airports vor, sie wurde als Sopranistin gebucht, doch kommt sie nicht unbedingt zum singen nach Berlin ....

Fazit:
Diese vielen einzelnen Charaktere und Handlungsstränge verdichten sich nach und nach zu einem temporeichen Krimi.
Alle diese Menschen begegnen sich irgendwann und beeinflussen den Fortlauf des Geschehens, ohne sich dessen unbedingt bewußt zu sein.
Es "hampelt" irgendwie jeder für sich herum und das er in das "große Ganze" eingebunden ist, wird ihm und dem Leser erst häppchenweise klar.
Ebenso liest sich das Buch.
Jedes Kapitel steht irgendwie für sich und für eine bestimmte Person, gehört aber auf jeden Fall ins Buch und erzählt die Geschichte weiter.
Und diese Geschichte wird eben durch diese vielen Einzelbilder erzählt.
Zwischendrin sind Fernseh- und Radiointerviews eingeflochten oder Zeitungsartikel erwähnt.
Eigentlich ist das Buch wie ein Film aufgebaut und nicht unbedingt wie ein Roman.
Die Szenen wechseln schnell und was in der letzten Szene passierte wird oft erst klar, wenn man die nächste Szene liest.
Es ist sehr interessant dieses Buch zu lesen, auch weil sich die Schreibweise sehr von anderen Krimis unterscheidet, aber es ist auch sehr ungewohnt eine Geschichte so zu lesen.
Der Roman ist spannend und temporeich aber insgesamt geht es nicht sehr tief unter die Oberfläche.
Was Sofia, die Sopranistin und damit auch die Namensgeberin des Romans mit ihrem Tun bezweckte und was sie antrieb, ist mir irgendwie nicht ganz so klar geworden.
Sie hangelte sich so durch die Geschichte, tauchte mal auf, lies etwas mit sich passieren und verschwand wieder.
Eigentlich hätte sie in einer Verfilmung eher eine Nebenrolle...
Aber gut, das Buch bietet viele andere Überraschungen.
Georg, der erst als verantwortungsloser Geldverschwender erscheint entpuppt sich als ein ganz anderer und auch Carlos macht eine enorme Entwicklung in dem Buch durch.
All das macht Spaß zu lesen, es ist auch reichlich Sprachwitz vorhanden und das Buch bietet einige Kurzweil.
Mir hat es insgesamt gefallen, auch wenn ich mir erst etwas ganz anderes vorstellte, als ich das Buch, in dem es ja um Anschläge und Terroristen geht, in den Händen hielt.