Dienstag, 13. Juni 2017

Rezension " Murder Park " von Jonas Winner




  • Broschiertes Buch
  • Heyne Verlag
  • 414 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783453421769
  • 12,99 Euro


Klappentext:
Zodiac Island vor der Ostküste der USA: ein beliebter Freizeitpark - bis dort ein Serienmörder drei junge Frauen auf bestialische Weise tötet. Der Täter Jeff Bohner wird schnell gefasst, der Park aber geschlossen. Die Schreie der Opfer scheinen vergessen zu sein. 20 Jahre später: Die Insel soll zur Heimat werden für den Murder Park - eine Vergnügungsstätte, die mit unseren Ängsten spielt. Paul Greenblatt wird zusammen mit elf weiteren Personen auf die Insel geladen. Und dann beginnen die Morde.
Ein Killer ist auf der Insel ...keiner kann dem anderen trauen ...die nächste Fähre kommt erst in drei Tagen ...
(Quelle: Heyne Verlag )

Kurze Zusammenfassung:
Vor 20 Jahren verlor Paul Greenblatt seine Mutter. Sie wurde grausam auf Zodiac Island ermordet und sie war das letzte Opfer des Serienmörders Jeff Bohner.
Jeff Bohner wurde gefasst, hingerichtet und der Freizeitpark wurde geschlossen.
Paul hingegen kann sich an die Geschehnisse dieser Nacht nicht mehr wirklich erinnern aber die Umstände ließen ihn nie mehr los. So wurde er Polizeireporter und beschäftigt sich mit Serienmördern.
Nun soll auf Zodiac Island ein neuer Freizeitpark eröffnen, der Murder Park. Umgeben von Relikten bekannter Serienmörder dürfen hier Singles in spannender Atmosphäre neue Partner kennen lernen. 
12 Mensche, darunter auch einige Reporter kommen auf die Insel um den Murder Park vor Eröffnung zu testen und im besten Falle eine gute Beurteilung abzugeben.
Paul Greenblatt ist unter den zwölf Teilnehmer und eigentlich war er sich vor Ankunft nicht recht sicher, ob es eine gute Idee sei an diesen Ort zurückzukehren,
Eigentlich ist sich kaum ein Teilnehmer sicher, ob es gut ist auf dieser Insel zu sein, denn alle sind irgendwie mit Jeff Bohner und der Insel verbunden.
Die Atmosphäre ist nicht einladend, das beginnende Partnerspiel "Wer ist der Mörder" ängstig die Teilnehmer und ein gewisses Misstrauen macht sich breit.
Der Psychiater Lazarus Sheldon ergreift als erstes die Initiative und will die Insel fast sofort wieder verlassen, doch es gibt kein Boot, keinen Handyempfang mehr und alle Kontakte zur Außenwelt liegen für die nächsten drei Tage brach.
Dann beginnen die Morde. Jay, das Zimmermädchen wird im Wasser zwischen den Klippen gefunden.
Paul hat kurz zuvor noch mit ihr gesprochen und Jay wusste mehr über den Murder Park und sein Geheimnis als gut war.
Auch Michael wusste mehr und auch seine Leiche wird gefunden.
Ein Mörder ist auf der Insel. Nur auf der Insel oder auch unter den Teilnehmern des Mörderspiels?

Fazit:
Klasse Krimi, der ein bißchen "retro" anmutet und mich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt hat.
Der Leser erlebt den Murder Park durch Pauls Augen und Paul ist mit schwerem Gepäck angereist. Er hat den Mord an seiner Mutter auf dieser Insel miterlebt, er hat den Täter gesehen und ist mit vielen Teilnehmern, ohne es zu wissen, verwoben und verbunden. Die Ereignisse treffen Paul im innersten Kern und für ihn verschwimmt immer mehr das Heute und das Gestern. Flashbacks und Halluzinationen suchen ihn heim und er beginnt vor psychischer Belastung sowie vor Müdigkeit die Kontrolle zu verlieren. 
Lazarus Sheldon hat mit allen anderen elf Teilnehmern vor Beginn Gespräche geführt und dort auch schon angedeutet, das Paul ein Risikofaktor sei und damit schon vorab ein generelles Misstrauen gesät. 
Dieses Misstrauen überträgt sich auf den Leser und man beginnt Personen mit Skepsis zu betrachten, von denen man eigentlich genau weiß, dass sie nicht der Mörder sein können. Damit hat einen das Rätselraten gepackt ....
Unterbrochen werden die Geschehnisse auf der Insel von Interviews die Sheldon im Auswahlverfahren mit allen Teilnehmern geführt hat. In diesen Interviews erfährt man mehr über die Insel, über die Teilnehmer und ihre Verbindung zu Paul. Dadurch verdichtet sich die Geschichte und konzentriert sich immer mehr auf das alte Zodiac Island. Die Abgrenzung zwischen dem Murder Park und Zodiac Island verliert sich mehr und mehr und auch der Leser wird zurück in den alten Vergnügungspark geführt. 
Mir hat es ziemlich gut gefallen, wie Jonas Winner es geschafft hat, nicht nur alle Protagonisten auf der Grenze zwischen den Zeiten tanzen zu lassen, sondern auch mich Leser mittanzen lässt.
Die Protagonisten sind in ihren Persönlichkeiten nicht übermäßig ausgearbeitet, manchmal hatte ich den Eindruck, sie werden nur gestreift, aber das ist auch gut so, denn die eigentliche Persönlichkeit der meisten Teilnehmer ist gar nicht wichtig. Wichtig ist, wie Paul sie erlebt und wie Paul sie sieht. Was ich in anderen Romanen eindeutig als Schwäche sehen würde, wird hier zu einer Stärke, denn dieser Kniff fokussiert mich noch mehr auf Pauls Blickwinkel.
Dieser Thriller hat mich wirklich gut unterhalten, spannend, manchmal verstörend und mit einer dichten Atmosphäre. 
Mich hat die Atmosphäre sehr an Hitchcock erinnert .... und das ist  ein dickes Kompliment ;).