Dienstag, 10. Oktober 2017

Rezension " Die Optimierer " von Theresa Hannig




  • Taschenbuch
  • Bastei Lübbe Verlag
  • 304 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783404208876
  • 10,00 Euro



Klappentext:
EIN PREISGEKRÖNTES DEBÜT! Ausgezeichnet mit dem Stefan-Lübbe-Preis ... Im Jahr 2052 hat sich die Bundesrepublik Europa vom Rest der Welt abgeschottet. Hochentwickelte Roboter sorgen für Wohlstand und Sicherheit in der sogenannten Optimalwohlökonomie. Hier werden alle Bürger von der Agentur für Lebensberatung rund um die Uhr überwacht, um für jeden Einzelnen den perfekten Platz in der Gesellschaft zu finden.

Samson Freitag ist Lebensberater im Staatsdienst und ein glühender Verfechter des Systems. Doch als er kurz vor seiner Beförderung beschuldigt wird, eine falsche Beratung erteilt zu haben, gerät er in einen Abwärtsstrudel, dem er nicht mehr entkommen kann. Das System legt alles daran, ihn zu optimieren ... ob er will oder nicht.
(Quelle: Bastei Lübbe Verlag)

Kurze Zusammenfassung:
Samson Freitag führt ein gutes Leben in das er auch perfekt hinein passt. Er ist Lebensberater, wohnt mit seiner Freundin Melanie zusammen und braucht nur noch 20 Sozialpunkte bis zur nächsten Beförderung.
An manchen Ecken hakelt es ein bisschen, Melanie ist nicht so überzeugt vom System wie er, seine Eltern sind gar nicht vom System angetan und Freunde hat er auch nicht wirklich.
Aber Samson geht in seiner Arbeit auf und schreibt mit Hingabe Korrekturverweise um Sozialpunkte zu sammeln.
Das Datensammeln und die Bewältigung des Alltages passiert mittels einer Kontaktlinse und eines Tages verträgt Samson diese Linse nicht mehr.
Damit wird das Leben beschwerlicher. Im Büro kann er die Linse mit einer Datenbrille kompensieren, doch außerhalb des Büros kann Samson nun noch nicht einmal einen Aufzug bedienen.
Auch seine Gesundheitsdaten sind nicht mehr optimal, was Samson aber geflissentlich ignoriert. Er fiebert vielmehr mit ganzer Kraft seiner Beförderung entgegen.
Diese kleinen Gesundheitsprobleme sind allerdings erst der Anfang einer Lawine, die Samson Freitag innerhalb von Tagen überrollt und seine ganze bisherige Existenz vernichtet.
Samson steht nur vor der Entscheidung entweder gegen das System zu kämpfen oder sich mit aller Kraft zurück ins System zu arbeiten.

Fazit:
Ein hervorragendes Debüt und meiner Meinung nach zurecht preisgekrönt.
Theresa Hannig hat eine stimmige Dystophie entwickelt, die eigentlich eine nahtlose Weiterentwicklung unserer Gesellschaft sein könnte. Beziehungsweise ist es durchaus vorstellbar, dass sich aus uns vielleicht mal ein solches System entwickeln könnte.
Von daher sind viele Elemente der BEU, Bundesrepublik Europa, sehr vertraut und man ist sofort mittendrin im Buch.
Samson ist eigentlich ein fader, unscheinbarer Mann, der auch mein Nachbar sein könnte und seine Kollegen könnten auch in jedem Büro Deutschlands sitzen.
Es ist also gar nicht so viel fremd in dem Buch, in der Geschichte. 
Manchmal sind Dystopien ja schon sehr weit von uns entfernt und werden damit auch sehr abstrakt.
Die "BEU" allerdings ist sehr nah an uns dran und gibt mir damit auch die Chance unsere eigene Gesellschaft zu reflektieren und zu hinterfragen.
Aber ich will gar nicht so politisch werden, denn das wäre nur eine Seite des Romans.
Die andere Seite ist die einer sehr lebendigen Geschichte die einen schnell mitreißt. Ich konnte Samson und seine Verzweiflung nur zu gut verstehen, er wollte eigentlich alles nur in Ordnung bringen und je mehr Ordnung er schaffen möchte, desto nachdrücklicher geht seine kleine Welt unter.
Oh ja, dass kenne ich auch zu gut ;)
Mir hat das Buch sehr, sehr gut gefallen und ich mag auf jeden Fall irgendwann einen zweiten Band in den Händen halten ( den es hoffentlich geben wird?)

Vielen Dank an den Bastei Lübbe Verlag für dieses Rezensionsexemplar

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