Samstag, 21. Oktober 2017

Rezension " Die Schlange von Essex " von Sarah Perry



  • Eichborn Verlag
  • 492 Seiten
  • Hardcover
  • 2017
  • ISBN: 9783847900306
  • 24 Euro

Klappentext:
London im Jahr 1893. Nach dem Tod ihres Mannes verlässt Cora Seaborne die Hauptstadt und reist gemeinsam mit ihrem Sohn Francis in den Küstenort Aldwinter. Als Naturwissenschaftlerin und Anhängerin der provokanten Thesen Charles Darwins gerät sie dort mit dem Pfarrer William Ransome aneinander. Beide sind in rein gar nichts einer Meinung, beide fühlen sich unaufhaltsam zum anderen hingezogen.
Anmutig und intelligent erzählt dieser Roman - noch vor allem anderen - von der Liebe und den unzähligen Verkleidungen, in denen sie uns gegenüber tritt.

(Quelle: Eichborn Verlag)

Kurze Zusammenfassung:
Cora Seaborne, jung verheiratet und jung Mutter geworden, litt lange Zeit unter ihrem strengen und tyrannischen Ehemann. Stets mit dem Gefühl umgeben nichts wert zu sein und und in der Enge der Konventionen gefangen, konnte sie ihren Interessen nie nachgehen.
Nachdem Coras Mann nun verstorben ist, hat Cora kein anderes Ziel als den Zwängen des viktorianischen Londons zu entfliehen. Mit ihrer besten Freundin Martha und ihrem autistischen Sohn Francis reist Cora nach Aldwinter.
Dort möchte sie ihre neue Freiheit genießen, Fossilien sammeln und einer alten Legende auf den Grund gehen.
In Aldwinter angekommen lernt sie den Pfarrer des Ortes, William Ransome persönlich kennen. Über Briefe besteht schon eine Art der Bekanntheit, aber beide hatten sich gegenseitig vollkommen anders vorgestellt.
Überrascht vom Wesen des Anderen entwickelt sich eine Freundschaft, die immer wieder auf der Grenze zur Liebe tanzt.
Allerdings ist William verheiratet und auch Cora hat noch einen anderen Verehrer. Luke Garret, der Arzt ihres verstorbenen Mannes, liebt Cora und eigentlich hat sie auch gewissen Gefühle für ihn....

Fazit:
Bildgewaltig.
Wortgewaltig.
Ein buntes Bild voller Liebe und Umbrüche, voll von Wandel und Freundschaft.
Das Buch ist voller Personen und Gefühle, die die Personen für einander haben oder nicht haben. Und warum sie diese haben ... oder nicht haben, oder nicht haben dürfen.
Glaube, Pflicht, Konventionen, Unfreiheit, moderne Wissenschaft, Aberglaube .... hier trifft so vieles aufeinander und führt Menschen zusammen oder auseinander und dies alles in einer bildhaften Sprache, die für alles nicht nur ein Adjektiv findet, sondern eine großen Mengen an Adjektiven bietet.
Dadurch wird alles bunter, lebendiger, greifbarer.
Zwischendrin wusste ich manchmal nicht was mich mehr fesselt: die Verwicklungen der Menschen und ihre Geschichten oder die Bilder die Sarah Perry mit ihrer Schreibe malt.
Die Fesseln des viktorianischen Zeitalters werden hier sehr gut beschrieben, aber auch die Zeit im Wandel, den Menschen im Wandel, der so langsam die Fesseln abstreift und sich der modernen Wissenschaft und der geistigen Freiheit zuwendet.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, viele Personen bekommen die Möglichkeit ihre Sichtweise zu erzählen.
Dadurch muss man schon sehr aufmerksam lesen, denn der Perspektivwechsel passiert oft fließend, aber so hat man einen vielschichtigen Einblick und befindet sich nicht immer mittendrin, sondern oft auf einer Metaebene, in der man alles beobachten kann.
Der Schreibstil an sich ist sehr gut zu lesen und ermöglicht ein gutes Lesetempo, die Bilder und die Verwicklungen nehmen allerdings wieder Tempo heraus, da ich ganz gerne bei dem einen oder anderen Bild verweilte, oder das Buch einfach mal weggelegt habe, um das Gelesene wirken zu lassen.
Die Liebe wirkt hier nicht durch intensive Sexszenen, sondern durch Blicke und Gesten, durch Verständnis und Vertrauen, durch Verzicht und Alltägliches ..... und und und.
Hier ist ein ganz besonderes Buch entstanden und auf mich hat es einen fast magnetischen Sog ausgeübt.
Mich hat das Buch gefesselt und fasziniert und ich freue mich es gelesen zu haben.

Vielen Dank an den Eichborn Verlag für dieses Rezensionsexemplar