Montag, 4. September 2017

Rezension " Die Kinder " von Wulf Dorn




  • Taschenbuch
  • Heyne Verlag
  • 317 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783453270947
  • 16,99 Euro


Klappentext:
Auf einer abgelegenen Bergstraße wird die völlig verstörte Laura Schrader aus den Trümmern eines Wagens geborgen. Im Kofferraum entdecken die Retter eine grausam entstellte Leiche. Als die Polizei den Psychologen Robert Winter hinzuzieht, wird dieser mit dem rätselhaftesten Fall seiner Karriere konfrontiert: Die Geschichte, die Laura Schrader ihm erzählt, klingt unglaublich. Doch irgendwo innerhalb dieses Wahnkonstrukts muss die Wahrheit verborgen sein. Je weiter Robert vordringt, desto mehr muss er erkennen, dass die Gefahr, vor der Laura Schrader warnt, weitaus erschreckender ist als jeder Wahn.
( Quelle: Heyne Verlag )

Kurze Zusammenfassung:
Der Psychologe Robert Winter wird um Hilfe gebeten. Er soll die völlig verstörte Laura Schrader befragen. Laura wurde als Unfallopfer aufgefunden, doch in ihrem Kofferraum liegt die Leiche eines kleinen Mädchens und der Ersthelfer ist spurlos verschwunden.
Ebenso spurlos verschwunden sind Lauras Schwester und ihre Nichte und sämtliche 163 Bewohner des kleinen Ortes in dem Laura Urlaub machte.
Noch ist nicht klar ob Laura das einzig überlebende Opfer ist, oder ob sie lebt, weil sie Täterin ist.
Das soll Robert Winter herausfinden, doch die Geschichte, die Laura erzählt ist so wahnhaft und absurd, dass Winter nicht weiter kommt.
Es begann alles damit, dass Lauras Nichte Mia Stimmen hörte und sich ihre Persönlichkeit veränderte. 
Aber nicht nur Mia veränderte sich, viele Kinder verhielten sich auf einmal sehr seltsam. Laura nimmt die Besorgnis ihrer Schwester Susann nicht wirklich ernst, bis sie selbst beginnt Stimmen zu hören.
Oder vielmehr nur eine Stimme, denn Laura ist schwanger und es ist als ob ihr ungeborenes Kind zu ihr spricht und die Kontrolle über Laura übernimmt.
Laura bekommt nun Angst, vor ihrem Kind und um sich selbst. Das bereitet ihr einen großen Gewissenskonflikt. Kurz darauf begegnet sie einer schwangeren Tankstellenbesitzerin  die vollkommen psychotisch erscheint, aber mit ihren Äußerungen Lauras Wahrnehmung bestätigt. Nun weiß Laura das hier irgendetwas ganz und gar nicht in Ordnung ist.
Allerdings ist es da fast schon zu spät .....

Fazit:
Krass, beängstigend und extrem spannend.
Wulf Dorn spielt hier mit einem uralten und enorm wichtigen psychologischen Schutzfaktor des Menschen.
Damit die Menschheit überleben kann, müssen wir Kinder süß finden, ihnen nichts Böses zutrauen und immer bereit sein sie in Schutz zu nehmen. 
Dieses Verhalten fördert die Natur mit dem "Kindchenschema", das sind Attribute die Kinder besitzen um ein Brutpflegeverhalten auszulösen.
Eigentlich ist das ein perfektes Zusammenspiel und erleichtert das Überleben der Menschheit schon seit einigen Millionen Jahren.
Wulf Dorn setzt in "Die Kinder" seinen Hebel genau an diesem tief verankerten Instinktverhalten an und trifft mit seiner Geschichte genau ins Mark.
Die Protagonisten sind dem Geschehen nahezu hilflos ausgeliefert, weil sie sich eben diesem Instinktverhalten entsprechend verhalten und der Leser ist der Geschichte hilflos ausgeliefert, weil Dorn hier das Undenkbare beschreibt und das Entsetzen mit jeder Seite wächst.
Das, was wir lesen, darf nicht wahr sein, weil es sonst das Überleben der Menschheit gefährdet und die Sinnhaftigkeit der Instinkte in Frage stellt.
Aber genau, weil wir den Instinkten nicht mehr folgen nimmt diese Geschichte ihren Lauf....
Ich, persönlich, finde Wulf Dorn ist der beste deutsche Autor psychologischer Thriller. Seine Bücher sind immer ein Garant für Spannung und ich habe eigentlich jedes Buch von ihm gelesen.
Dieses Buch hier ist etwas anders. Es ist kein typischer Wulf Dorn-Thriller, keine typische Täter-Opfer-Ermittler-Geschichte, sondern beschreibt eher einen Prozess, der irgendwann, vor Beginn des Buches, gestartet ist und irgendwann nach dem Buch endet. Das Buch ist sozusagen mittendrin in dem Prozess und dieser Prozess ist nicht mehr aufzuhalten.
Seufz .... es ist wirklich schwierig zu beschreiben ohne zu spoilern .... am besten ihr lest selbst.
Ich, auf jeden Fall, fand das Buch echt super und es geistert mir auch nach dem Lesen noch im Kopf herum

Vielen Dank an den Heyne Verlag für dieses Rezensionsexemplar


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen