Sonntag, 1. Oktober 2017

Rezension " Sog " von Yrsa Sigurdardottir




  • btb Verlag
  • Hardcover
  • 443 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783442756643
  • 20,00 Euro


Klappentext:
Zwölf Jahre nach dem Tod und der Vergewaltigung eines Mädchens wird eine Zeitkapsel in Reykjavik gehoben. Darin enthalten: 10 Jahre alte Briefe von Schülern, die beschreiben, wie sie sich Island im Jahre 2016 vorstellen. Darunter findet sich noch etwas anderes: eine unheimliche Botschaft, die akribisch genau die Initialen von zukünftigen Mordopfern auflistet. Kurz danach werden zwei abgetrennte Hände in einem Hot Tub in der Stadt treibend gefunden. Doch noch hat keiner eine Vermisstenanzeige bei der Polizei gestellt. Schon bald taucht die erste verstümmelte Leiche auf, dicht gefolgt von einer zweiten, und es ist klar, dass die Botschaft aus der Zeitkapsel ernst zu nehmen ist.

Ein Fall für Kommissar Huldar, der sich beweisen muss: von seinen Leitungsaufgaben entbunden, wird er von den meisten seiner früheren Untergegebenen gemieden, die Beziehung zur Kinderpsychologin Freyja ist ebenfalls ruiniert, was er zu reparieren hofft, indem er sie in die jetzigen Ermittlungen mit einbezieht ...
(Quelle: btb Verlag)

Kurze Zusammenfassung:
Kommissar Huldar fristet nach dem desaströsen Ende seines letzten Falles ein recht eintöniges Leben an einem abseits stehenden Schreibtisch. Mehr oder weniger wird er von allen Kollegen geschnitten und von den wichtigen Arbeiten wird er sowieso ausgeschlossen.
Damit er wenigstens etwas beschäftig aussieht soll er sich mit dem Inhalt einer Zeitkapsel beschäftigen. Diese Zeitkapsel wurde vor zehn Jahren von Schülern vergraben und nun wieder ausgegraben. Unter den darin enthaltenen Briefen ist eine eindeutige Morddrohung und Huldar soll herausfinden welcher Schüler die Drohung verfasst hat und ob heute noch eine Gefahr von dem Schüler ausgeht.
Während Huldar sich eher missmutig auf die Suche nach der Identität des Schülers begibt werden seine Kollegen mit einem perfiden Mordfall konfrontiert. 
Obwohl eigentlich noch nicht so ganz klar ist, ob es sich wirklich um einen Mord handelt, denn bisher werden nur zwei abgetrennte Hände im Garten von Benedikt Toft gefunden.
Im Kommissariat herrscht nun hektische Betriebsamkeit, nur Huldar beschränkt sich auf das Anschauen von Katzenvideos, bis er sich entscheidet die Zeitkapsel für positive Aktionen zu nutzen. Der Verfasser des Briefes war ein Kind und Freyja ist Kinderpsychologin, also kontaktiert Huldar Freyja.
Freyja steht genauso auf dem Abstellgleis wie Huldar und eigentlich kommt ihr die Ablenkung durch die Zeitkapsel gerade recht, wenn sie nicht dadurch mit Huldar zusammen arbeiten müsste .....
Huldar und Freyja kommen recht schnell auf die Spur des ehemaligen Schülers und stellen fest, dass der damalige Brief mit den abgetrennten Händen zusammenhängen könnte.
Leider nimmt sie erst einmal keiner Ernst.

Fazit:
Yrsa Sigurdardottir ist schon ein Garant für erstklassige nordische Thriller und auch Sog ist wieder so ein erstklassiger Thriller.
Superspannend und sehr eingängig geschrieben ist das Buch einfach ein richtiges Thrillervergnügen.
Ich finde die beiden Hauptprotagonisten, Huldar und Freyja ziemlich toll. Huldar ist in sozialen Angelegenheiten etwas tollpatschig  und irgendwie in Freyja verschossen und Freyja, die mit Huldars Tollpatschigkeit so gar nicht umgehen kann und ihm am liebsten die kalte Schulter zeigt, fühlt sich doch zu Huldar hingezogen. Da die beiden aber im ersten Band einen ziemlich schlechten Start hatten, ist es für Freyja natürlich ausgeschlossen Huldar auch nur den kleinen Finger zu reichen, er muss sich mit der kalten Schulter zufrieden geben.
Nach und nach dringt er doch zu Freyja durch, aber er wäre nicht Huldar, wenn er nicht auch das schon wieder in den Sand setzen würde.
Trotzdem müssen beide zusammenarbeiten und das machen sie auch wirklich richtig gut. Im Team ergänzen sie sich hervorragend und als Leser wartet man nur darauf, dass es auch im Privaten klappt.
Die Geschichte ist sehr abgründig und die Taten sehr perfide. Da ist jemand ziemlich wütend und bringt seine Wut sehr deutlich zum Ausdruck. 
Kurz gesagt: mit Blut spart Yrsa Sigurdardottir nicht aber sie erspart uns eine malerische Darstellung der Details. ;)
Die Story ist sehr schlüssig und hat schon fast etwas zwangsläufiges und ist auf jeden Fall unheimlich spannend.
Aber für mich steht über der Geschichte, dem Fall oder der Tat die Paarung Freyja und Huldar. Ich mag lesen wie sie sich annähern und wieder entfernen, darauf fiebern, ob sie sich doch aufeinander einlassen und den Kopf schütteln, wenn Huldar mal wieder in ein Fettnäpfchen tritt.
Obwohl Freyja die Fettnäpfchen auch ganz gerne mitnimmt ;)
Für mich sind die Beiden zur Zeit das unterhaltsamste Ermittlerpaar und ich will gerne mehr von ihnen lesen.

Vielen Dank an den btb Verlag für dieses Rezensionsexemplar